Endlich hatte er seine Bestimmung gefunden, seine Rolle im Leben, und nun bekam sein loses Wesen ein Gerippe. Er wußte jetzt ungefähr, was er wollte, und damit hatte er wenigstens ein Steuer auf seinem Boot. Und nun stieß er vom Lande, um sich auf Langfahrt hinaus zu begeben, immer bereit, abzufallen, wenn der Wind zu hart gegen den Bug stieß; aber nicht um in See abzutreiben, sondern um im nächsten Augenblick wieder vollen Wind zu nehmen und anzuluven.
Nachdem er sich seinen Familienkummer vom Herzen geschrieben hatte, brach die Erinnerung an die religiösen Kämpfe in einer dreiaktigen Komödie hervor. Die leichtete das Schifflein bedeutend.
Seine Schaffenskraft während dieser Zeit war unerhört. Das Fieber kam jetzt tagtäglich: in nicht mehr als zwei Monaten schrieb er zwei Komödien und eine Tragödie in Versen; außerdem schüttelte er Verse aus dem Ärmel.
Das Trauerspiel war sein erstes eigentliches Kunstwerk, wie man es nennt, denn es handelte nicht von etwas, das sich in seinem eigenen Leben zugetragen hatte. Das sinkende Hellas: nicht mehr und nicht weniger war das Thema. Die Kompostion war ganz und klar, doch waren die Situationen nicht neu und es wurde viel deklamiert. Das einzige, was er aus seiner eigenen Vorratskammer holte, war strenge asketische Moral und Verachtung des ungebildeten Demagogen. So ließ er einen alten Mann gegen die Unsittlichkeit der Zeit und gegen den Mangel an Vaterlandsliebe wettern. Demosthenes höhnt den Demagogen auf eine Art, die an den Schornsteinfeger und den Pfandleiher der Kopenhagener Reise erinnerte. Der Leiter der Schauspielerschule bekam auch seinen Teil, weil er sich oft Johan gegenüber beklagte, er habe keine genügende Bildung erhalten. Das Stück war aristokratisch, und die Freiheit, die hier ausposaunt wurde, war die der sechziger Jahre: die nationale Freiheit.
Inzwischen war die Familienkomödie der Direktion des Königlichen Theaters eingereicht worden, jedoch anonym.
Während sie da lag, tat er frohen Mutes Dienst als Statist. Wartet nur, dachte er, bald kommt die Reihe an mich, dann habe ich ein Wort mitzusprechen. Er war jetzt kühn auf der Bühne und fühlte sich, auch wenn er im „Wilhelm Tell‟ den Anzug eines Bauernjungen trug, als ein verkleideter Prinz. „Ich bin gewiß kein Schweinehirt, wenn ihr's auch glaubt‟, summte er vor sich hin.
Die Antwort auf das Stück ließ auf sich warten. Schließlich verlor er die Geduld und vertraute sich dem Leiter der Schauspielerschule an. Der hatte das Stück gelesen und Talent darin gefunden, aber — gespielt konnte es nicht werden.
Das war ja kein Donnerschlag für ihn, da er noch das Trauerspiel besaß. Das ward besser aufgenommen, sollte aber hier und dort umgearbeitet werden.
Eines Abends, als die Schule schloß, bat der Lehrer ihn, zu bleiben.
— Jetzt haben wir gesehen, wozu Sie taugen, sagte er. Sie haben eine schöne Laufbahn vor sich: warum denn die schlechtere wählen. Daß Sie Schauspieler werden können, ist wahrscheinlich, wenn Sie einige Jahre arbeiten; aber warum sich abquälen auf diesem undankbaren Gebiet? Reisen Sie nach Upsala zurück und beendigen Sie Ihr Studium! Werden Sie dann später Schriftsteller, denn man muß erst Erfahrungen machen, ehe man gut schreiben kann.