Schriftsteller werden, das gefiel ihm, das Theater verlassen, auch; aber nach Upsala zurückkehren — nein! Er haßte die Universität und sah nicht ein, wie das Unnütze, das man dort lernte, dem Schreiben zugute kommen könne; dafür müßte man doch das Leben selbst studieren.

Dann aber begann er nachzudenken. Da er einsah, daß er jetzt noch nicht ein Stück zur Annahme bringen könne, um es als Rettungsbrett zu benutzen, griff er nach dem andern Strohhalm: Upsala. Wieder Student werden, war mit zwanzig Jahren keine Schande; und beim Theater wußte man jetzt, daß er kein durchgefallener Anfänger war, sondern auch ein Dichter.

Gleichzeitig erfuhr er, daß er noch ein mütterliches Erbe von einigen hundert Kronen ausstehen habe. Mit denen konnte er das erste Semester leben. Er ging zum Vater, nicht als verlorener Sohn, sondern als vielversprechender Schriftsteller und Gläubiger. Es kam zu einem heftigen Zwist, der damit endete, daß sein Erbe ihm ausgezahlt wurde.

Er hatte jetzt ein Trauerspiel mit dem gewaltigen Titel „Jesus von Nazareth‟ entworfen. Das behandelte Jesu Leben in dramatischer Form und sollte mit einem Schlage und für alle Zeiten das Götterbild zerschmettern und das Christentum ausroden. Als er aber einige Szenen vollendet hatte, sah er ein, daß der Stoff zu groß sei und langwierige Studien verlange.

Die Spielzeit ging ihrem Ende zu. Die Schauspielerschule gab ihre übliche Vorstellung auf der Bühne des Dramatischen Theaters. Er hatte keine Rolle bekommen, übernahm aber das Soufflieren. Und im Souffleurkasten schloß seine Laufbahn als Schauspieler. Soviel war übrig geblieben von seinem Karl Moor, den er auf der Bühne des Großen Theaters hatte spielen wollen! Verdiente er dieses Schicksal? War er schlechter für die Bühne ausgerüstet als die andern? Das war nicht wahrscheinlich, wurde aber nie entschieden.

Am Abend nach der Vorstellung wurde den Schülern ein Schmaus gegeben. Johan war auch eingeladen, hielt eine Rede in Versen, um seinen Rückzug zu decken. Berauschte sich wie gewöhnlich, betrug sich dumm und verschwand vom Schauplatz.


18.
Die Verbindung Runa.
(1870)

Das Upsala der sechziger Jahre weist Zeichen des Endes und der Auflösung einer Periode auf, die man die Boströmsche nennen könnte. In welchem Verhältnis steht das für die Zeit geltende philosophische System zu der Zeit selbst? Das System scheint die Gedanken der Zeit an dem bestimmten Zeitpunkt zusammenzufassen. Der Philosoph macht nicht die Zeit, sondern die Zeit macht den Philosophen. Der Philosoph sammelt die Gedanken seiner Zeit; dadurch kann er auf seine Zeit wirken; darum ist und muß seine Wirkung mit dem Ausgang der Epoche zu Ende sein.