Jetzt spukte der Tote vor Johan; er wagte nicht mehr, sein Zimmer zu besuchen, sondern schlief bei Kameraden. Eine Nacht lag er bei Rejd. Der mußte das Licht brennen lassen und wurde in der Nacht mehrere Male von Johan, der nicht schlafen konnte, geweckt.

Eines Tages wurde Johan von Rejd mit seiner Blausäureflasche überrascht. Der billigte scheinbar den Plan zum Selbstmord, bat aber, vorher einen Abschiedsbecher mit ihm zu trinken. Sie gingen ins Wirtshaus, bestellten acht Grogs, die auf einem Tablett hineingetragen wurden. Jeder trank vier in vier Zügen; der Erfolg war der erwünschte: Johan ward eine „Leiche‟.

Er wurde nach Haus getragen; da aber die Haustür geschlossen war, trug man ihn über ein Grundstück und warf ihn über seinen Zaun. Dort blieb er in einem Schneehaufen liegen, bis er wieder auflebte und in sein Zimmer kroch.

Die letzte Nacht, die er in Upsala war, einige Tage später, schlief er auf einem Sofa bei Thurs, während die Kameraden über ihn wachten und die Zimmer hell erleuchtet waren. Sie wachten gutmütig bis zum Morgen; dann begleiteten sie ihn zum Bahnhof und setzten ihn in den Zug.

Als der Zug aus dem Weichbild von Upsala herausfuhr, atmete Johan wieder. Es war ihm, als habe er etwas Garstiges, Unheimliches verlassen, etwa eine nordische Winternacht mit dreißig Grad Kälte. Er schwor, sich niemals wieder in dieser Stadt niederzulassen, in der die Seelen, von Leben und Gesellschaft verbannt, infolge Überproduktion der Gedanken faulten, von nicht abfließendem Grundwasser zerfressen wurden, wie Leere mahlende Mühlsteine Feuer fingen.


21.
Der Schützling eines Königs.
(1871)

Als Johan wieder zu den Eltern nach Hause kam, fühlte er sich geborgen, als sei er nach einer stürmischen und nächtlichen Bootsfahrt an Land gestiegen. Und wieder schlief er eine ruhige Nacht in seinem alten Zeltbett auf der Kammer der Brüder.