Aber eines Tages im Frühling war Johan aufs Land gefahren, nachdem er dem Hausfräulein davon einfache Mitteilung gemacht hatte. Als er am andern Tage heimkehrte, wurde er mit Schelte empfangen.

— Du verreisest, ohne es mir zu sagen?

— Ich habe es dem Hausfräulein gesagt.

— Ich verlange, daß du mich um Erlaubnis bittest, solange du mein Brot issest.

— Um Erlaubnis bittest? Was ist das für ein Geschwätz?

Johan stand auf und ging; lieh sich hundert Kronen von einem Kaufmann, der ihm wohlwollte und fuhr mit drei Bundesbrüdern nach einer Insel im Stockholmer Inselmeer, wo sie sich bei einem Fischer für dreißig Kronen den Monat in Pension gaben.

Niemand suchte ihn zurückzuhalten. Wahrscheinlich brach die Krisis aus, weil Johan innerhalb der Leitung des Hauses fühlbaren Einfluß auf Vater und Geschwister auszuüben begann. Es war nämlich eine Herrin da, die ihre Macht nicht aus den Händen lassen wollte.

Den Sommer verbrachte Johan damit, daß er tüchtig fürs Examen arbeitete, denn jetzt hatte er keine Hilfe mehr von Hause zu erwarten. Es war ein gesundes und strenges Leben mit unschuldigen Vergnügungen. Er war bekleidet mit Schlafrock, Unterhosen, Wasserstiefeln. Die Kameraden hatten noch weniger an. Man badete, segelte, focht; spielte in freien Stunden wie Kinder. Johan gab sich ganz der zunehmenden Verwilderung hin. Starke Getränke kamen fast nie auf den Tisch; Johan fürchtete sie, denn sie machten ihn wahnsinnig.

Auf die Enthaltsamkeit und die Arbeit aber folgte das Verlangen, andere zu bekehren und eine große Selbstgefälligkeit. Die letzte ist immer die Folge, ob nun der Opferwillige fühlt, daß er in dieser Hinsicht besser ist als die andern, oder ob das Opfer gebracht worden, um sich besser zu fühlen. Er predigte einem Bruder, der trank, Nüchternheit; moralisierte die andern, die nicht arbeiteten, sondern nach dem Badeort fuhren, um zu tanzen oder stark zu essen. Er hatte Kierkegaard im Leibe, wollte ethisch sein und wetterte gegen die Ästhetik.

Er studierte nun Philologie und nahm Dante, Shakespeare und Goethe durch. Den letzten haßte er, weil der Ästhet war. Hinter allem lag wie ein dunkler Hintergrund der Bruch mit dem Vater. Nach der Bekanntschaft des letzten Winters sah er ihn indessen in einer verklärten Gestalt; hatte ihm für die Vergangenheit recht gegeben und alle kleinen Mißhelligkeiten der Kindheit vergessen. Am meisten vermißte er jedoch die Geschwister, besonders die Schwestern, die ihm persönliche Bekanntschaften geworden waren.