Im Park wurde er von seiner Kusine begleitet, die er Tante nannte. Ein eben erwachsenes hübsches Mädchen mit feinen Kleidern und einem Sonnenschirm. Sie kommen in einen Wald, den dunkle Fichten düster machen; sie wandern ein Stück weiter, immer weiter; da hören sie Gemurmel von Stimmen, Musik und das Klappern von Tellern und Gabeln; sie stehen vor einem kleinen Schloß, das keinem andern gleicht. Drachen und Schlangen schlängeln sich vom Dachfirst herab; Greise mit gelben, eirunden Gesichtern blicken mit schwarzen schiefen Augen herunter und haben Zöpfe im Nacken; Buchstaben, die er nicht lesen kann, die etwas gleichen und doch so verschieden von allem andern sind, kriechen am Dachgesims entlang. Unten aber im Schloß bei offenen Fenstern sitzen Könige und Kaiser zu Tisch, essen von Silber und trinken Weine.
— Dort sitzt der König, sagt die Tante.
Ihm wird bange, und er sieht nach, ob er auf den Rasen getreten ist oder etwas Böses tun will. Er glaubt, der König, der schöne, wohlwollende Züge trägt, sieht mitten durch ihn hindurch; und er will fortgehen. Aber weder Oscar I. noch die französischen Marschälle oder russischen Generäle sehen ihn an, denn sie denken jetzt an den Pariser Frieden, der dem orientalischen Kriege ein Ende machen soll. Polizisten dagegen gehen umher wie brüllende Löwen, und an die erinnert er sich nicht gern. Wenn er nur einen sieht, fühlt er sich schuldig und denkt an drei Reichstaler und sechzehn Schillinge.
Er hat indessen die höchste Offenbarung der Macht gesehen, die höher ist als die der Brüder, der Mutter, des Vaters, des Verwalters, des Hauswirts, des Generals mit den Federn, der Polizei.
Es ist ein anderes Mal. Wieder mit der Tante. Sie gehen an einem kleinen Hause neben dem Schloß vorbei. Auf einem sandigen Hofe steht ein Mann in Zivil: Panamahut und Sommeranzug. Er hat einen schwarzen Bart und sieht stark aus. Rings um ihn läuft an einer Leine ein schwarzes Pferd. Der Mann rasselt mit einer Hasenklapper, knallt mit einer Peitsche, gibt Schüsse ab.
— Das ist der Kronprinz! sagt Tante.
Er sah gerade so aus wie ein gewöhnlicher Mensch und war wie Oheim gekleidet.
Ein anderes Mal, im Park, tief im Schatten unter den hohen Bäumen, hält ein Offizier auf einem Pferd. Er grüßt die Tante, hält sein Pferd an, spricht zu Tante und fragt den Knaben, wie er heiße. Der antwortet wahrheitsgemäß, wenn auch etwas schüchtern. Das dunkle Gesicht sieht ihn mit guten Augen an, und er hört ein tiefes, dröhnendes Lachen. Darauf verschwindet der Reiter.
— Das war der Kronprinz!