— Hier wohnt der König, sagt jemand.
Das war das Schloß von Drottningholm; die schönste Erinnerung aus seiner Kindheit, die Märchenbücher mitgerechnet.
In einer weißen Hütte oben auf einem Hügel werden die Sachen ausgepackt, und dann rollen sich die Kinder im Grase, in richtigem grünen Grase, in dem keine Kuhblumen wachsen wie auf dem Klarakirchhof. Der Himmel ist so hoch und hell, und Wälder und Meeresflächen grünen und blauen in der Ferne.
Vergessen ist der Müllkasten, das Schulzimmer mit dem Geruch nach Schweiß und Urin; die schweren Kirchglocken dröhnen nicht mehr, die Totengräber sind fort.
Abends aber läutet es in einem kleinen Glockenstuhl, der ganz in der Nähe ist. Er sieht mit Erstaunen die kleine gefällige Glocke, die in der freien Luft schwingt und gerade recht über Park und Buchten singt. Er denkt an die grimmen Bässe im Turme zu Hause, deren dunklen Schlund er einen Augenblick gesehen hat, wenn sie durch die Luken schwangen.
Abends, wenn er müde und frischgewaschen nach allen Schweißbädern einschlummert, hört er das Schweigen in den Ohren klingen; vergebens wartet er darauf, daß die Glocke schlägt und der Turmwächter tutet.
Und am nächsten Morgen erwacht er, um aufzustehen und zu spielen. Er spielt, tagaus, tagein, eine ganze Woche. Niemals ist er einem im Wege, und alles ist so friedlich. Die Kleinen schlafen drinnen, und er ist den ganzen Tag draußen.
Der Vater ist nicht zu sehen. Aber am Sonnabend kommt er hinaus. Dann hat er einen Strohhut auf und ist heiter; kneift die Jungen in die Backen und lobt sie, daß sie gewachsen und braun geworden sind. Er schlägt nicht mehr, denkt das Kind. Es versteht nicht, daß das von etwas so Einfachem abhängen konnte, daß hier draußen mehr Raum vorhanden und die Luft reiner ist.
Der Sommer war glänzend, hinreißend wie ein Zaubermärchen. Unter Pappelalleen Lakaien mit silberbeschlagener Uniform; auf dem See himmelblaue Drachenschiffe mit richtigen Prinzen und Prinzessinnen; auf dem Wege gelbe Kaleschen, purpurrote Landauer und arabische Pferde, die zu vieren vor zügellangen Peitschen liefen.
Und das Schloß des Königs mit dem spiegelnden Fußboden, den goldenen Möbeln, den Kachelöfen aus Marmor, den Gemälden. Der Park mit seinen Alleen, die wie lange, hohe, grüne Kirchen waren; die Wasserkünste mit den Figuren, die nicht zu verstehen waren und wohl aus Märchenbüchern stammten; das Sommertheater, das ein Rätsel blieb, aber als Labyrinth benutzt wurde; der gotische Turm, immer geschlossen, immer geheimnisvoll, ohne eine andere Aufgabe, als das Echo von den Stimmen der Sprechenden wiederzugeben.