Eines Tages sieht er, daß eine herumreisende Theatergesellschaft nach der Stadt gekommen ist. Er schreibt einen Brief an den Direktor und ersucht um ein Debüt. Erhält keine Antwort und macht keinen Besuch.

So wurde er hin- und hergeworfen, bis schließlich das Schicksal kam und ihn befreite. Drei Monate waren vergangen und die Hofverwaltung ließ nichts von sich hören. Die Kameraden rieten ihm, an den Hofmarschall zu schreiben und höflich zu fragen, wie es sich mit dem Geld verhalte. Das tat er und bekam diese Antwort: „Es ist nie von einer regelmäßigen Unterstützung die Rede gewesen, sondern Seine Majestät haben die Gratifikation nur für einmal erteilt. Jedoch mit Rücksicht auf Ihre bedrängte Lage geruhen Majestät, noch einmal 200 Kronen zu bewilligen, die gleichzeitig abgehen.‟

Zuerst freute sich Johan, denn jetzt war er frei; dann aber beunruhigte ihn diese Wendung der Sache, da in den Zeitungen gestanden hatte, er sei Stipendiat; auch war das Stipendium ja tatsächlich vom König für „die Jahre‟ versprochen worden, die er noch zum Doktorexamen brauchte. Auch hatte ja der Hofmarschall mit der Zukunft gewinkt, die man doch nicht mit 200 Kronen machen konnte. Man dachte hin und her über die Ursache. Die einen hielten es für wahrscheinlich, der König habe die Sache vergessen; andere, seine wirtschaftliche Lage erlaube es ihm nicht; man wußte nämlich, daß sein guter Wille nicht immer im Verhältnis zu seinem Können stand.

Niemand sprach seine Mißbilligung aus; und Johan war froh in seiner Seele, hätte nicht eine gewise Blamage darin gelegen, daß das Stipendium eingezogen wurde: man konnte ihn ja verdächtigen, er habe nur damit geprahlt. Die an eine „Ungnade‟ glaubten, schrieben diese dem Umstand zu, daß Johan es versäumt hatte, dem König seine Aufwartung zu machen, als er Weihnachten und Neujahr in Stockholm war. Andere schoben die Schuld darauf, daß er seine gedruckte Tragödie „Das sinkende Hellas‟ nicht förmlich überreicht, sondern ganz einfach ins Schloß geschickt hatte; aber seine Geradheit hatte ihm verboten, selbst hinzugehen.

Zehn Jahre später hörte er eine ganz neue Deutung der „Ungnade‟. Er sollte nämlich ein Schmähgedicht auf den König verfaßt haben! Aber diese Geschichte war eine „reine‟ Dichtung, wahrscheinlich die einzige, die der übel bekannte Gewährsmann der Nachwelt geschenkt hat.

Die Tatsache blieb bestehen, und jetzt war der Entschluß bald gefaßt. Er wollte nach Stockholm fahren, um Schriftsteller zu werden, wenn möglich Dichter, falls sich seine Begabung als stark genug erwies.

Der Zimmergenosse nahm es auf sich, ihm den Rückzug zu decken; der schützte vor, Johan müsse einige Zeit in Stockholm weilen, damit der Wirt nicht unruhig wurde und Johan die Miete, die erst am Schluß des Semesters zu bezahlen war, währenddessen zusammenbringen konnte.

Ein Abschiedsfest wurde gehalten. Johan dankte seinen vielen Freunden, indem er die Verpflichtungen, die jeder gegen seinen Verkehr hat, anerkannte, da sich eine Persönlichkeit nicht aus sich selbst entwickelt, sondern aus jeder andern Seele, mit der sie in Berührung kommt, einen Tropfen saugt; wie die Biene aus Millionen Blüten ihren Honig sammelt, den sie doch selbst umschmilzt und als ihren ausgibt.

So fuhr er ins Leben hinaus, fort aus Träumen und vergangenen Zeiten, um in seiner eigenen Zeit und in der Wirklichkeit zu leben. Aber schlecht war er vorbereitet; die Universität war nicht die Schule fürs Leben. Er hatte auch das Gefühl, die Stunde der Entscheidung sei da. In einer schlecht ausgeführten Rede nannte er das Fest einen Abschiedsschmaus, den man dem Bräutigam vor der Hochzeit gibt; denn jetzt solle er Mann werden und die Knabenjahre hinter sich lassen; sich in die Gesellschaft einordnen, ein nützlicher Bürger werden, sein eigenes Brot essen.