Und dann die Schule mit ihrem Unterricht! Ist nicht genug geschrieben über Latein und Rohrstock? Vielleicht! Denn er übersprang später alle Stellen in Büchern, die von Schulerinnerungen handelten; er las keine Bücher, die dieses Thema behandelten. Seine schwersten Träume, die er als Erwachsener hatte, wenn er abends etwas Schweres gegessen oder einen ungewöhnlich kummervollen Tag gehabt, bestanden dann, daß er sich in der Klaraschule befand.

Nun verhält es sich so, daß der Schüler eine ebenso einseitige Vorstellung vom Lehrer bekommt wie die Kinder von den Eltern. Der erste Klassenlehrer, den er hatte, sah aus wie der Menschenfresser in dem Märchen vom Däumling. Er schlug stets und sagte, er würde die Kinder so hauen, daß sie am Boden kriechen sollten; er würde sie kurz und klein hauen, wenn sie ihre Aufgabe nicht könnten.

Er war indessen nicht so schlimm, denn als er Stockholm verließ, überreichten Johan und seine Kameraden ihm ein Album; ja, der Lehrer war recht beliebt, galt für eine alte ehrliche Haut. Der Mann endete als Landwirt und Held eines Idylls.

Ein anderer galt für ein Ungeheuer an Bosheit. Er schien wirklich aus Neigung zu schlagen. — Hol den Rohrstock, so begann er die Stunde, in der er darauf ausging, so viele wie möglich dabei zu ertappen, daß sie ihre Aufgabe nicht gelernt hatten. Sein Ende war, daß er sich nach einem scharfen Zeitungsartikel aufhing.

Als Johan aber Student war, hatte er ihn ein halbes Jahr vor seinem Tode im Walde der Eulenbucht getroffen und war gerührt worden, als sich der alte Lehrer über die Undankbarkeit der Welt beklagte. Er hatte vor einem Jahre von einem früheren Schüler aus Australien einen Kasten Steine als Weihnachtsgeschenk empfangen. Kameraden des grimmigen Lehrers sprachen auch von ihm wie von einem wohlwollenden Narren, den sie zu hänseln pflegten.

So viele Gesichtspunkte, so viele Urteile! Aber noch heute können alte Klaristen nicht zusammentreffen, ohne sich mit Entsetzen und Haß über die größte Unbarmherzigkeit auszusprechen, die sich je in Menschengestalt offenbart habe, wenn sie auch alle anerkennen, daß er ein ausgezeichneter Lehrer war.

Sie wußten es wohl nicht besser, waren so erzogen, die Alten; und wir, die ja alles verstehen wollen, sind wohl auch verpflichtet, alles zu verzeihen.

Das hinderte nicht, daß die Schulzeit, die erste, als eine Lehrzeit für die Hölle und nicht fürs Leben galt; daß die Lehrer dazusein schienen, um zu quälen, nicht um zu strafen; daß das ganze Leben wie ein schwerer drückender Alp Tag und Nacht auf einem lag; es half ja nicht, daß man seine Aufgaben konnte, wenn man von Hause fortging. Das Leben war eine Strafanstalt für Verbrechen, die man begangen hatte, ehe man geboren war; darum lief das Kind fortwährend mit einem bösen Gewissen herum.