Im Herbst kehrten einige der vornehmen Jünglinge von sommerlichen Ausfahrten zurück, die sie als außerordentliche Seekadetten unternommen hatten. Sie kamen dann in Uniform und mit Seitengewehr in die Klasse. Sie wurden viel bewundert, von manchem beneidet, aber Johans Sklavenblut war niemals vermessen in dieser Beziehung: er erkannte das Vorrecht an, träumte sich nie auf diese Höhe hinauf; hatte ein Gefühl, dort würde er noch gedemütigter sein als hier; darum wollte er nicht dorthin. Aber auf eine Höhe mit ihnen kommen durch Verdienste, Arbeit, davon träumte er kühn. Als im Frühling die Abiturienten in die Klasse kamen, um sich von ihren Lehrern zu verabschieden, da sah er ihre weißen Mützen, ihre freie Art, ihre frischen Gesichter; da sehnte er sich in ihre Lage, denn er merkte auch, wie die Seekadetten mit Bewunderung nach der weißen Mütze guckten.


In der Familie war ein gewisser Wohlstand eingetreten. Man war wieder nach der Nordzollstraße gezogen. Dort war es angenehmer als am Sabbatsberg, und die Knaben des Hauswirtes waren Schulkameraden. Den Garten aber pachtete der Vater nicht mehr, und Johan beschäftigte sich auch meistens mit den Schulbüchern. Er führte jetzt das Leben eines wohlhabenden Jünglings. Im Hause herrschte Heiterkeit; erwachsene Kusinen und die vielen Buchhalter des Kontors besuchten es Sonntags; und Johan nahm trotz seinen jungen Jahren an ihrem Verkehr teil. Er legte jetzt Wert auf seinen Anzug, und als vielversprechender Gymnasiast genoß er ein höheres Ansehen, als seine Jahre bedingten. Er ging im Garten spazieren, und weder Beerenbüsche noch Apfelbäume führten ihn jetzt noch in Versuchung.

Dann und wann kamen Briefe von dem Bruder in Paris. Die wurden laut und mit großer Andacht vorgelesen. Das war ein Trumpf der Familie. Zu Weihnachten kam das Bild des Bruders in französischer Schuluniform. Das war Trumpfas. Johan hatte jetzt einen Bruder, der Uniform trug und Französisch sprach. Er zeigte das Bild in der Schule, und sein gesellschaftliches Ansehen hob sich. Die Seekadetten grinsten allerdings und sagten, es sei keine richtige Uniform, denn sie habe kein Seitengewehr. Aber sie hatte Käppi und blanke Knöpfe und etwas Gold am Kragen.

Zu Hause wurden Stereoskopbilder von Paris gezeigt, und man lebte nur noch in Paris. Die Tuilerien und der Triumphbogen waren bekannt wie das Stockholmer Schloß und Gustav Adolfs Denkmal. Es hatte den Anschein, als sei die Redensart, der Vater lebe in seinen Kindern, wirklich begründet.

Das Leben lag jetzt hell vor dem Jüngling. Der Druck hatte nachgelassen, er atmete leichter; wäre wahrscheinlich einen ebenen geraden Weg durchs Leben gegangen, wenn die Umstände es nicht gefügt hätten, daß der Wind ihm verkehrt ins Segel kam.

Die Mutter war längst schwächlich gewesen nach ihren zwölf Wochenbetten. Jetzt mußte sie sich niederlegen und stand nur dann und wann auf. Ihre Laune wurde heftiger und rote Flammen erschienen auf ihren Wangen, wenn man ihr widersprach. Letzte Weihnacht war sie mit ihrem Bruder in einen heftigen Zwist über pietistische Prediger geraten. Der Bruder hatte am Weihnachtstisch behauptet, „Fredmans Episteln‟ von Bellman seien tiefsinnig und ständen an Gedankenreichtum hoch über den Predigten der pietistischen Prediger. Da fing die Mutter Feuer und bekam einen hysterischen Anfall. Das war nur ein Symptom.

Sie begann, solange sie noch auf war, die Wäsche und Kleider der Kinder in Ordnung zu bringen und Schubladen aufzuräumen. Sie sprach oft mit Johan über Religion und andere hohe Fragen. Eines Tages zeigte sie ihm einige goldene Ringe.

— Die sollt ihr haben, wenn Mama stirbt, sagte sie.

— Welcher gehört mir? fragte Johan, ohne sich um den Gedanken an den Tod zu kümmern. Sie zeigte einen geflochtenen Mädchenring mit einem Herzen. Der machte einen starken Eindruck auf den Knaben, da er niemals etwas aus Gold besessen hatte; oft dachte er an den Ring.