Er übte sich einige Tage und dann schrieb er alle vier Stimmen aus. Es war eine lange und langweilige Arbeit; er wäre beinahe müde geworden, aber er kriegte sie schließlich fertig. Hier und dort war es wohl etwas nachlässig, aber es konnte benutzt werden.
Er hatte keine Ruhe, bis er alle Pflanzen der Stockholmer Flora kennengelernt hatte. Als er sie kannte, ließ er den Stoff fallen. Eine botanische Exkursion machte ihm kein Vergnügen mehr; Wanderungen in der Natur boten ihm nichts Neues; er konnte keine unbekannte Pflanze mehr finden. Die wenigen Mineralien kannte er. Die Insekten besaß er in seiner Sammlung. Die Vögel kannte er an ihren Stimmen, ihren Federn, sogar an ihren Eiern.
All das waren nur äußere Erscheinungen; Namen von Dingen, die bald ihr Interesse für ihn verloren. Er wollte das Innere sehen. Man pflegte ihn Zerstörungsgeist zu schelten, denn er nahm alles auseinander, erst Spielsachen, dann alles, was ihm in die Hände kam. Zufällig geriet er in eine Vorlesung der Akademie der Wissenschaften und sah chemischen und physikalischen Experimenten zu. Die ungewöhnlichen Geräte fesselten ihn. Der Professor war ein Zauberer, aber einer, der erzählte, wie das Wunder zugeht. Das war ihm neu, und er wollte in das Verborgene eindringen.
Er sprach dem Vater von seiner neuen Neigung. Der hatte sich in jungen Jahren mit Galvanoplastik beschäftigt und gab ihm jetzt Bücher aus seinem Bücherschrank: Focks Physik, Girardins Chemie, Figuiers Entdeckungen und Erfindungen, Nyblaeus' Chemische Technologie. Auf dem Boden befand sich außerdem eine galvanische Batterie mit sechs Elementen des alten Daniellschen Kupfer- und Zinksystems. Die bekam er schon als Zwölfjähriger in die Hände und hantierte so viel mit Schwefelsäure, daß er Handtücher, Servietten, Kleider verdarb. Nachdem er alle Gegenstände, die er geeignet fand, galvanisiert hatte, ließ er diese Beschäftigung liegen.
Jetzt im Sommer in der Einsamkeit warf er sich mit Ungestüm auf die Chemie. Aber er wollte nicht die Experimente machen, die im Lehrbuch standen: er wollte Entdeckungen machen! Alle Mittel fehlten ihm: Geld, Apparate; aber das hinderte ihn nicht. Seine Natur war nun derart und wurde es noch mehr nach dem Tode der Mutter, als er sein eigener Herr geworden, daß sich sein Wille durchsetzen mußte, trotz allem und allem. Spielte er Schach, plante er einen Anfall auf den König des Gegners; ging rücksichtslos darauflos, ohne auf seine Verteidigung zu achten; überrumpelte zuweilen den Gegner durch seine Rücksichtslosigkeit, verlor aber oft die Partie.
— Hätte ich noch einen Zug gehabt, wärest du matt gewesen, sagte er.
— Ja, aber diesen Zug hast du nicht mehr, darum bist du matt.
Wollte er an eine Schublade und der Schlüssel war nicht zur Hand, nahm er die Feuergabel und brach das Schloß so auf, daß Schrauben und Schloß losgerissen wurden.