— Warum hast du das Schloß entzweigemacht? fragte man.

— Weil ich an die Schublade wollte!

Es war jedoch eine gewisse Beharrlichkeit in diesem Draufgängertum; aber nur solange die Raserei dauerte.

Er wollte sich eine Elektrisiermaschine machen. Oben auf dem Boden fand er einen Spinnrocken. Von dem brach er fort, was er nicht gebrauchen konnte, um nun das Rad durch eine runde Glasscheibe zu ersetzen. Er verfiel auf ein Innenfenster. Mit einem Quarzsplitter schnitt er die Scheibe aus. Nun sollte sie aber rund werden und ein Loch in der Mitte erhalten. Mit einem Schlüsselbart brach er Splitter nach Splitter ab, oft nicht größer als ein Sandkorn. Das nahm mehrere Tage in Anspruch. Rund wurde nun die Scheibe. Aber wie sollte er ein Loch hinein bekommen? Ein Loch in eine Glasscheibe. Er machte sich einen Drillbohrer. Für den Bügel brach er einen Regenschirm entzwei, um ein Fischbein zu bekommen, und nahm eine Geigensaite zum Strang. Dann ritzte er die Scheibe mit Quarz, befeuchtete sie mit Terpentin und drillte. Er merkte aber keinen Erfolg. Als er dem Ziel so nahe war, verlor er Geduld und Besinnung. Er wollte das Loch durch eine Sprengkohle erzwingen. Die Scheibe zersprang.

Da warf er sich auf sein Bett, machtlos, müde, hoffnungslos. In den Verdruß mischte sich auch das Gefühl der Armut. Hätte er nur Geld! Er ging oft an das Schaufenster von Spolander auf der Westlichen Langgasse, um sich die chemischen Apparate anzusehen. Er hätte gern gewußt, was sie kosteten, wagte aber nicht hineinzugehen und zu fragen. Was hätte das für einen Zweck gehabt? Er hätte ja doch kein Geld vom Vater erhalten.

Nachdem er sich von seinem Mißgeschick erholt hatte, wollte er machen, was noch niemand gemacht hat und niemand machen kann: ein Perpetuum mobile. Der Vater hatte erzählt, längst sei ein großer Preis auf die Erfindung des Unmöglichen ausgesetzt. Das war etwas, das ihn lockte. Er stellte einen Wasserfall, der eine Pumpe zog, mit einem Heronsbrunnen zusammen. Der Fall sollte die Pumpe in Gang setzen, die Pumpe sollte wieder das Wasser hochziehen, und der Heronsbrunnen dabei helfen. Er mußte auf den Boden gehen und eine Razzia abhalten. Nachdem er alle möglichen Dinge zerbrochen hatte, um Material zu sammeln, begann die Arbeit. Ein Kaffeekocher mußte eine Röhre hergeben, eine Sodawassermaschine gab das Sammelbecken, die Kommode gab Beschlag, der Sekretär Holz, ein Vogelbauer lieferte Eisendraht, eine Ampel wurde ein Becken und so weiter.

Der Tag war gekommen, als die Probe gemacht werden sollte. Da kommt das Hausfräulein und fragt, ob er mit den Geschwistern nach Mamas Grab gehen will. — Nein, er habe nicht Zeit. — Ob nun das böse Gewissen ihn bei der Arbeit störte oder ob er nervös war, genug: der Versuch mißlang. Da nahm er, ohne den Fehler gutmachen zu wollen, den ganzen seltsamen Apparat und zerschlug ihn an den Steinen des Kachelofens. Da lag das Werk, das so vielen nützlichen Dingen den Garaus gemacht hatte.

Später entdeckte man, wie er auf dem Boden gehaust hatte. Er bekam Schelte, machte sich aber nichts daraus.

Um sich für den Hohn, den er sich durch seine mißlungenen Versuche im Hause zugezogen hatte, zu entschädigen, machte er einige Knallgasexplosionen und fertigte eine Leidener Flasche an. Einer toten schwarzen Katze, die er auf dem Hügel der Sternwarte gefunden, zog er das Fell ab und trug es in seinem Taschentuch nach Hause.

Eines Nachts, als der älteste Bruder und er von einem Konzert nach Hause kamen, waren keine Streichhölzer zu finden, und sie wollten das Haus nicht wecken. Johan suchte Schwefelsäure und Zink hervor, stellte beim Schein der Gaslaterne Wasserstoffgas her, schlug Feuer mit dem Elektrophor und steckte die Lampe an. Damit war sein Ruf als „Chemiker‟ gemacht.