— Du wirst bald warm werden, sagte der Leutnant. Zieh nur die Jacke aus.

Er weigerte sich. Der Leutnant trat freundlich scherzend auf ihn zu und zog an den Ärmeln. Er leistete Widerstand. Der Lehrer sah ihn an.

— Was ist dir denn? Ich bitte freundlich, und du willst mir nicht den Willen tun? Dann geh deiner Wege!

Der Jüngling wollte etwas zu seiner Verteidigung sagen; sah den freundlichen Mann, bei dem er sich immer gut gestanden hatte, betrübt an — aber er schwieg und ging!

Er fühlte, wie er niedergehalten wurde. Armut, als Demütigung ihm von der Grausamkeit auferlegt, nicht von Not hervorgerufen. Er beklagte sich den Brüdern gegenüber; die aber sagten, er solle nicht hochmütig sein. Die Kluft, welche die ungleiche Bildung zwischen ihnen gezogen, klaffte. Sie gehörten jetzt verschiedenen Gesellschaftsklassen an. Die beiden Brüder gingen auf Vaters Seite über, da er zu ihrer Klasse gehörte und die Macht besaß.

Ein andermal bekam er eine Jacke, die aus einem blauen Frack mit blanken Knöpfen geändert war. Die Kameraden verhöhnten ihn: er wolle wohl Kadett spielen. Das war das letzte, das er wollte: mehr sein als scheinen, darin lag sein Hochmut. Unter dieser Jacke litt er unglaublich.

Darauf begann man ihn systematisch zu beugen. Er wurde früh aus dem Bett geholt und auf Besorgungen ausgesandt, die er vor der Schule erledigen mußte. Er schützte Aufgaben vor; das half aber nicht. Dir wird das Lernen so leicht; du lernst doch nur andern Kram, hieß es.

Daß er Besorgungen machte, während ein Knecht, ein Bauernmädchen, Dienstboten sich im Hause befanden, war unnötig. Er sah ein, das war die Zuchtrute. Jetzt haßte er seine Unterdrücker, und sie ihn.

Darauf begann ein anderer Kursus der Dressur. Er mußte des Morgens früh aufstehen, um den Vater in die Stadt zu fahren; und zwar ehe er in die Schule ging; mußte mit Pferd und Wagen zurückkommen, ausspannen, den Stall fegen, das Pferd füttern. Dasselbe Manöver wurde mittags wiederholt. Also Aufgaben lernen, die Schule besuchen und zwei Male am Tage nach dem Ritterholm hin und zurückfahren.

Er fragte sich in reiferen Jahren, ob es aus irgendeiner Fürsorge geschehen sei; ob der kluge Vater eingesehen, seine Gehirntätigkeit sei ihm schädlich, er brauche körperliche Arbeit. Oder ob es aus wirtschaftlichen Gründen geschah, um die Arbeitszeit des Knechtes zu sparen. Körperliche Arbeit ist ja nützlich und sollte allen Eltern zur Erwägung empfohlen werden. Johan aber konnte kein Wohlwollen darin sehen, denn das Ganze ging so boshaft zu, so offen boshaft wie möglich, zeigte so die Absicht, ihm Böses zuzufügen, daß er keine guten Absichten darin entdecken konnte, die sich ja auch neben den bösen hätten finden können.