Als die Sommerferien kamen, artete das Fahren zum Stalldienst aus. Das Pferd mußte zu bestimmten Zeiten gefüttert werden; Johan mußte sich zu Hause halten und auf den Glockenschlag passen. Mit seiner Freiheit war es aus. Und er empfand die große Veränderung, die in seiner Lage eingetreten war und die er der Stiefmutter zuschrieb. Früher war er ein freier Mann gewesen, der über seine Zeit und Gedanken verfügen konnte; jetzt war er Diener geworden: du kannst dich fürs Essen etwas nützlich machen! Und wenn er sah, wie die andern Brüder mit der Knechtesarbeit verschont wurden, war er davon überzeugt, daß es Bosheit war. Häcksel schneiden, den Stall kehren, Wasser tragen, all das war sehr gut für ihn, aber die Absicht verdarb alles. Wenn der Vater ihm gesagt hätte, es sei sehr nützlich für seine Gesundheit, besonders für sein Geschlechtsleben, dann hätte er es mit Vergnügen getan. Jetzt aber haßte er es. Er fürchtete sich im Dunkeln, denn er war wie alle Kinder von Mägden erzogen worden; und er mußte sich große Gewalt antun, um abends auf den Heuboden gehen zu können. Er verwünschte es jedesmal, wenn er dahin mußte. Aber das Pferd war ein gutmütiges Tier; mit dem sprach er oft und beklagte sich. Auch war er Tierfreund und hielt sich Kanarienvögel, die er sorgfältig pflegte.
Er haßte diese Arbeit, weil sie ihm wegen der Hausdame auferlegt wurde, die sich rächen wollte, um ihre Überlegenheit über seine Überlegenheit zu zeigen. Er haßte diese Arbeit, weil sie ihm als Bezahlung für seine Studien auferlegt wurde. Jetzt hatte er die Absichten, die man mit seinem Studium hatte, durchschaut. Man prahlte mit ihm und seinem Wissen; also nicht aus Güte erhielt er den Unterricht.
Da trotzte er und fuhr eine Feder des Wagens entzwei. Wenn sie auf dem Markt vorm Ritterhaus abstiegen, besichtigte der Vater immer den ganzen Wagen. Jetzt sah er, daß eine Feder entzwei war.
— Fahr zum Schmied, sagte er.
Johan schwieg.
— Hast du gehört?
— Ja, ich habe gehört.
Er mußte also nach der Malerstraße fahren, wo der Schmied wohnte. Der erklärte, er brauche drei Stunden, um die Feder auszubessern. Was war da zu machen? Ausspannen, das Pferd nach Haus bringen und wiederkommen. Aber ein angeschirrtes Pferd durch die Hauptstraße der Stadt führen, während er die Gymnasiastenmütze trug? Vielleicht die Jungen bei der Sternwarte treffen, die ihm seine Mütze neideten; oder, was noch schlimmer, die schönen Mädchen auf der Nordzollstraße, die ihn freundlich anzulächeln pflegten. Nein, lieber alles andere! Er wollte den Braunen einen Umweg führen; dann aber mußte er an der Kadettenanstalt Karlberg vorbei, und dort kannte er Kadetten. Er blieb auf dem Hofe, in der Sonnenglut auf einem Balken sitzend, und verwünschte sein Schicksal. Er dachte an die Sommer, die er auf dem Lande zugebracht hatte; an alle Kameraden, die jetzt auf dem Lande wohnten; und danach maß er sein Unglück. Hätte er aber an die Brüder gedacht, die jetzt zehn Stunden lang auf heißen, dunkeln Kontoren saßen, ohne Hoffnung, einen einzigen Tag frei zu bekommen, dann wäre er zu einem andern Ergebnis über seine Lage gelangt. Daran dachte er jetzt aber nicht. Doch hätte er gern mit ihnen getauscht. Sie verdienten wenigstens ihr Brot und brauchten nicht zu Hause zu hocken. Ihre Stellung war klar, aber seine war unklar. Warum hatten die Eltern ihn am Apfel riechen lassen, um den dann wegzureißen? Er sehnte sich fort, wohin es auch sein mochte. Seine Stellung war falsch, und er wollte sie richtig machen. Hinunter oder hinauf, aber nicht zwischen die Räder, um zermalmt zu werden!
Darum ging er eines Tages zum Vater und bat, mit der Schule aufhören zu dürfen. Der Vater machte große Augen und fragte freundlich, warum. Er habe alles satt, lerne nichts Neues, wolle ins Leben hinaus, um zu arbeiten und sich selbst zu ernähren.