— Was willst du denn werden?

Das wußte er nicht. Und dann weinte er.

Einige Tage danach fragte der Vater ihn, ob er Kadett werden wolle. Kadett? Es blitzte ihm vor den Augen. Er wußte nicht, was er antworten solle. Das war zuviel. Solch ein feiner Herr mit einem Säbel werden. So kühn hatte er nicht geträumt.

— Überleg es dir, sagte der Vater.

Er überlegte den ganzen Abend. Dort auf Karlberg, wo er beim Baden von den Kadetten fortgejagt worden, dort sollte er in Uniform einziehen. Offizier werden, das heißt zu Macht kommen: die Mädchen würden ihn anlächeln und — niemand würde ihn mehr unterdrücken. Ihm war, als werde das Leben heller, als hebe sich der Druck von der Brust, als erwache die Hoffnung. Aber das war zuviel für ihn. Das paßte weder für ihn noch für seine Umgebung. Er wollte nicht hinauf, um zu befehlen; er wollte nur nicht blind gehorchen, nicht bewacht werden, nicht geduckt werden. Der Sklave, der nichts vom Leben zu verlangen wagt, erwachte bei ihm! Er sagte nein! Es war zuviel für ihn!

Aber der Gedanke, das werden gekonnt zu haben, nach dem sich vielleicht alle Jünglinge sehnen, war ihm genug. Er verzichtete, stieg hinunter und nahm seine Kette wieder auf. Als er später selbstgefälliger Pietist wurde, bildete er sich ein, um Jesu willen der Ehre entsagt zu haben. Das war nicht wahr, aber etwas Selbstquälerei lag sicher in dem Opfer.

Indessen hatte er wieder den Eltern in die Karten gesehen: Ehre sollte er ihnen einbringen. Wahrscheinlich kam die Kadettenidee von der Stiefmutter!


Neue Zwistigkeiten entstanden, und zwar von ernsterer Natur. Johan hatte zu bemerken geglaubt, daß die jüngeren Geschwister schlecht gekleidet waren; auch hatte er Geschrei aus der Kinderstube gehört.

— Sie schlägt sie!