Johan wagte kaum an ein solches Glück zu glauben, daß er sich Geld verdienen könne. Aber wenn er hörte, daß andere es konnten, und er sich mit ihnen verglich! Ja, aber die hatten Glück!

Der Freund brachte ihn in Bewegung. Bald hatte er des Abends die Schulaufgaben durchzunehmen und war Lehrer in einem Mädchenpensionat.


Jetzt erwachte sein Selbstgefühl. Die Mägde des Elternhauses nannten ihn Herr Johannes, und die Lehrer in der Schule redeten die Klasse an: meine Herren. Auf eigne Faust begann er jetzt sein Schulwesen zu reformieren. Zuerst hörte er mit dem Griechischen auf. Längst hatte er den Vater gebeten, ihm das zu erlassen; aber vergeblich. Jetzt tat er's auf eigene Faust, und der Vater erfuhr es erst lange nach dem Studentenexamen. Darauf stellte er die Mathematik ein, nachdem er erfahren, daß ein Lateiner das Recht hatte, in diesem Lehrstoff auf ein Zeugnis zu verzichten. Ferner wurde er nachlässig in Latein. Er wollte in einem Monat vor der Prüfung alles noch einmal durchnehmen, indem er büffelte. Dann führte er die Gewohnheit ein, während der Stunden französische, deutsche, englische Romane zu lesen. Die Fragen gingen gewöhnlich der Reihe nach; er hatte sein Buch vor sich, bis sich die Frage näherte; er rechnete aus, was er für eine Stelle bekommen werde, und bereitete sich rasch vor. Die lebenden Sprachen wurden jetzt seine Stärke, neben den Naturwissenschaften.

Mit Minderjährigen die Aufgaben durchnehmen, war eine neue furchtbare Strafarbeit, aber es war eine Arbeit, die sich bezahlte. Natürlich hatten nur Knaben, die widerwillig lernten, einen besonderen Lehrer. Es war eine grausame Arbeit für sein lebhaftes Gehirn, sich diesen Köpfen anzupassen. Sie waren einfach unmöglich! Sie konnten nicht aufmerksam sein. Er glaubte, sie seien störrisch. Die Wahrheit war, daß ihr Wille die Aufmerksamkeit nicht erzwingen konnte. Mit Unrecht galten diese Knaben für dumm. Sie waren im Gegenteil aufgeweckt; aber ihre Gedanken drehten sich um wirkliche Dinge. Später scheinen sie die Torheit der Lehrstoffe durchschaut zu haben. Viele von ihnen sind dann tüchtige Männer im Leben geworden; und noch mehrere wären es geworden, wenn sie nicht von ihren Eltern gezwungen wären, ihrer Natur Gewalt anzutun und die Studien fortzusetzen.

Im Mädchenpensionat arbeitete er nur mit den Kleineren. Die Großen dagegen gingen frei im Zimmer herum und zeigten ihre Strümpfe gegen Tischbeine und Stuhlfüße. Er war ihnen gut, wagte sich aber nicht ihnen zu nähern.

Als die Freundin die Änderung in seinem Wesen bemerkte, entstand ein neuer Streit. Sie warnte ihn vor dem Freund, der ihm schmeichle; und sie warnte ihn vor den jungen Mädchen, von denen er mit einer gewissen Wärme sprach. Sie war eifersüchtig. Sie berief sich auf Jesus, aber Johan hörte nicht zu. So zog er sich von ihr zurück.

Er führte jetzt ein munteres und tätiges Leben. Mittags Parade und einen Trunk. Abends Serenaden, denn er sang jetzt in einem Quartett, Punsch und etwas Liebelei mit Kellnerinnen. Er verliebte sich in eine kleine Blonde, die hinter dem Ladentisch saß und schlief. Er wollte sie für sich retten, sie auf einer Pfarre in Pension geben, selbst Geistlicher werden und sich mit ihr verheiraten. Aber die Liebe ging bald vorüber, als er eines Abends sah, wie die Kameraden sie in einem Privatzimmer an die Brust faßten.

Währenddessen war Jesus aus seinem Amt entsetzt worden, aber ein schwacher Grundton von Frömmlertum und Askese klang noch nach. Er betete noch aus Gewohnheit, aber ohne Hoffnung, daß sein Gebet erhört werde; er hatte ja so lange diese Bekanntschaft gesucht, die so leicht zu finden sein soll, wenn man nur ein wenig an die Tür der Gnade klopfe. Um die Wahrheit zu sagen, es lag ihm nicht soviel daran, beim Wort genommen zu werden. Wenn sich die Tür geöffnet und der Gekreuzigte ihn hereingerufen hätte, er wäre nicht erfreut gewesen. Sein Fleisch war zu jung und zu gesund, um sich gern kreuzigen zu lassen.