— Wie haben Sie den gefunden?

— Ich lernte durch einen Prediger den Geist des wahren Christentums kennen.

— Sind Sie denn Christ?

— Ja, ich bekenne Christus!

— Aber Sie glauben nicht, daß er Gott war?

— Das hat er selbst nie gesagt. Er nennt sich nur Gottes Sohn, und Gottes Söhne sind wir alle.

Die Freundin kam und brach das Gespräch ab, das, nebenbei gesagt, typisch für religiöse Wortstreite von 1865 war.

Johans Neugier war geweckt worden. Es gab Menschen, die nicht an Christus glaubten und doch Frieden hatten. Nur Kritik aber hätte die alten Götterbilder nicht gestürzt; die Furcht vor dem leeren Raum hielt ihn zurück, bis ihm Parker in die Hand fiel. Predigten ohne Christus und Hölle, das war, was er brauchte. Und so schöne Predigten. Johan las sie äußerst schnell, und es lag ihm am meisten daran, daß Geschwister und Angehörige sie genossen, auf daß sie ihn mit ihrer Mißbilligung verschonten. Er verwechselte nämlich fremde Mißbilligung mit bösem Gewissen; war so gewohnt, andern recht zu geben, daß er in Zwietracht mit sich selbst geriet.

Aber Christus, der Inquisitor, fiel; die Gnadenwahl, das jüngste Gericht, alles stürzte zusammen, als sei es längst reif zum Fallen gewesen. Er war erstaunt, daß es so schnell ging. Es war, wie alte Kleider ablegen und neue anziehen.

Eines Sonntagmorgens ging er mit dem Ingenieur in den Hagapark hinaus. Es war Frühling. Der Hasel blühte und die Leberblümchen waren herausgekommen. Das Wetter war halbklar, die Luft weich und feucht nach einem nächtlichen Regen. Sie sprachen von der Freiheit des Willens. Der Pietismus hatte eine sehr schwankende Auffassung von der Sache. Man hatte keinen freien Willen, Gottes Kind zu werden. Der Heilige Geist würde einen aufsuchen: also Prädestination. Johan hatte wohl den Willen gehabt, bekehrt zu werden, es aber nicht werden können. „Herr, schaff in mir einen neuen Willen‟, hatte er beten gelernt. Wie aber konnte er denn für seinen bösen Willen verantwortlich sein? Durch den Sündenfall, antwortete der Pietist; da der mit freiem Willen begabte Mensch das Böse wählte, wurde sein Wille böse durch Vererbung; böse für alle Zeiten und hörte auf, frei zu sein. Und er konnte diesen bösen Willen nur durch Jesus und durch die Gnadenwirkung des Heiligen Geistes loswerden. Aber von neuem geboren werden, hing nicht von seinem eigenen Willen ab, sondern von Gottes Gnade. Also unfrei. Aber obwohl unfrei, blieb er verantwortlich. Da lag der Fehlschluß.