Sein gequältes Aussehen verriet ja Eifersucht; aber er war nicht eifersüchtig, ihm ekelte nur vor dem Gedanken, dessen verdächtigt zu werden, und er sah sich lächerlich gemacht. Sie hatte ihn durch ihre Frage lächerlich gemacht, diese Frage, die er nicht beantworten konnte. Da entstand dies Schweigen, das niemand zu brechen wagt, weil alle wissen, daß der, der zuerst spricht, eine Dummheit sagen, das Geheimnis verraten muß, an das alle denken.
Es war eine Minute von der Länge einer Ewigkeit. Aber dann kam die Rettung: Zwei Künstler ihres Kreises stürzten herein, stellten den Strom um und leiteten die konträren Ströme ab. Und dann verlief der Abend in munterem Geplauder.
Nach Theaterschluß vergrößerte sich die Gesellschaft. Alle diese Menschen, die Kinder des gleichen Geistes waren, fühlten eine Zusammengehörigkeit, als seien sie eine Familie. Und sie hatten einen Instinkt, einen Freund zu ahnen; es waren keine Erklärungen nötig, und obwohl sie Verfolgungen ausgesetzt waren, waren sie sorglos, hoffnungsvoll, überzeugt, sich auf dem rechten Wege zu befinden.
Es hatte halb zwölf geschlagen, und die Freude war auf ihrem Höhepunkt, als plötzlich eine schwarzgekleidete Frau an den Tisch trat und Frau Marta sprechen wollte.
Die fremde Unbekannte wirkte wie eine schwarze Fahne, und der Jubel verstummte.
»Frau Borg,« begann sie; »ich wohne in Ihrem Hause und ging zufällig an ihrem Kinderzimmerfenster vorbei, als ich ein einsames, eingeschlossenes Kind schreien hörte. Nein, glauben Sie nicht, daß ich Ihnen Vorwürfe machen will! Aber da das Geschrei verzweifelt klang, ging ich zum Portier, um mir den Schlüssel geben zu lassen und zu dem Kinde hineinzugehen. Bei dem Portier war niemand zu Hause. Ich schickte einen barmherzigen Menschen zum Schlosser, während ich dem eingesperrten Kinde durch das verschlossene Fenster gut zuredete … beruhigen Sie sich nur, kleine Frau, Sie haben Pech gehabt und haben sich auf eine unzuverlässige Portierfrau verlassen. Als ich hineinkam, beruhigte ich das arme Kind und habe drei Stunden bei ihm gesessen; jetzt schläft es unter Aufsicht der wiedergefundenen Portierfrau. Ja …«
Herr und Frau Borg stürzten hinaus …
So war es, wenn man Kinder hatte! Jajaja, und sie machten sich Vorwürfe, versprachen sich, nie wieder auszugehen. Sie dachten daran, was für tendenziöse Geschichten jetzt verbreitet werden würden; sie liefen nach Hause, da sie keine Droschke fanden.
In der Neuen Brückenstraße, als sie eben keuchend die Steigung überwunden hatten, stießen sie auf einen riesenhaften Herrn, der sie in seine gewaltigen Arme nahm und rief: