Die Natur hatte dem Mann das Recht der Initiative gegeben, weil er die wirkende Ursache war; jetzt aber sollte er dieses Rechts beraubt werden; die Frau, die nichts gibt, nur empfängt, eignete sich die Initiative an, und da ihre Rezeptivität unbegrenzt ist, mußte jeder Mann in einem ungleichen Kampf unterliegen, da die Ausgaben ihre natürliche Grenze haben. Und alles Umgehen der Naturgesetze bestrafte sich. Die Männer gaben sich, statt Väter zu werden, dazu her, die Zuhälter ihrer Frauen zu sein; die modernen Schlafzimmer mit ihren beiden eisernen Betten glichen mediko-mechanischen Instituten, Samenkletteranstalten oder den Privaträumen der Krankenturnanstalt. Was die Gatten suchten, fanden sie nicht, denn das findet man nur in Mutterschaft und Vaterschaft. Deshalb trat Tod an Stelle der Geburt.

Das neunzehnte Jahrhundert war nicht das Jahrhundert des Kindes, das ist eine Lüge. Das achtzehnte Jahrhundert mit Rousseaus Emile, als die Mütter ihre Kinder wieder säugen lernten und der Mutterschaft ihre verlorene Ehre wiederschenkten, das war das goldene Zeitalter des Kindes. Das neunzehnte Jahrhundert aber, besonders dessen Ausgang, wurde die Hölle des Kindes. Die Kinder, die geboren wurden, verdankten ihr Leben einem unglücklichen Zufall, einer mißlungenen Hemmung des Willensaktes, deshalb wurden sie willenlos, geschlechtslos, charakterlos geboren. Die Mutterschaft wurde verachtet; Kindergebärerin wollte keine sein, und die Muttermilch selbst zu geben, wurde für schimpflich angesehen. Die Kinder wurden mit der Flasche aufgezogen und waren immer pimpelig, schlaflos und krank. Chemikalien, kohlensaures Natron, Milchzucker, sterilisierte Kuhmilch, das war die Nahrung. Eine sterile Flüssigkeit, deren Lebenskraft getötet war, sollte die lebendige Muttermilch ersetzen! Sie ergab auch sterile Menschen, die keinen neuen Gedanken zum Wachsen bringen konnten; Epigonen, Automaten, die auf die Fragen der Menschheit gedruckte Antworten von sich gaben, gedruckt auf kleine Papierfetzen gegen Erlegung der Volksschulgebühren. Es war die Epoche der Automaten und der Automatenkinder, der Flaschenkinder, der Schnullerkinder, die nie an der warmen Brust einer Mutter gelegen hatten, sondern gedrillt wurden, in einem wackelnden Wagen still zu liegen und an Körper und Seele zu frieren, unter Aufsicht eines fremden Mädchens und ihres Bräutigams, oft genug einer Prostituierten, die den Schnuller mit unsterilisierten Lippen aufsog.

Es war das goldene Zeitalter der sterilen Frauen; und sie predigten Sterilität, bildeten eine Gemeinde und fanden Prophetinnen, bis sie schließlich eine staatlich anerkannte Kirchengemeinschaft waren.

Im Kampf gegen diese Dekadenz unterlag der gesunde Mann Doktor Borg, um sich nie wieder zu erheben.

Acht Tage später saß er allein in seinem geplünderten Heim, und vierzehn Tage später wurde er von allen Wahllisten gestrichen, als Reaktionär in der Frauenfrage und als Norwegerhasser.

Zu einer Anzeige bei der Ärztekammer kam es nicht, aber seine Praxis war geschädigt.


Dreizehntes Kapitel
Frau Brita auf Storö

Frau Brita Borg war durchaus nicht so merkwürdig, wie sie glaubte, und ihre Gutmütigkeit lag mehr im Fleisch. Als die Frauenfrage aufkam, war sie sofort mit dabei, die Menschheit zu retten, deren Grundmauern jetzt auf den Stützen der Gesellschaft, den Frauen, aufgebaut werden sollten. Folglich mußte der Mann gestürzt werden, und sie beteiligte sich an der Jagd. Diese Törinnen veranstalteten eine besondere Treibjagd auf große Männer. Karl XII. sogar wurde ausgegraben und für ein Weib erklärt; Napoleon war nichts aus sich selbst, sondern seine Mutter war alles; Goethe hatte alles von seiner Mutter gelernt (die nichts wußte). Andererseits: alle geheimen Krankheiten der Frau kamen vom Manne (die Männer hatten sie jedoch von den Frauen bekommen); alle Männer waren von Frauen geboren (daß aber alle Frauen von Männern gezeugt waren, darüber wurde nicht gesprochen!).