»Und die Kanzel ist degradiert!«

»Da der Hochaltar das Allerheiligste ist.«

»Potztausend, bist du katholisch?«

»Keine Spur, aber die Kathedrale ist katholisch; der Protestantismus hat keinen kirchlichen Stil erfunden, weil ihm der positive Inhalt fehlt.«

»Es ist jedenfalls köstlich, zu sehen, wie ihr Kathedralen restauriert; ihr stellt sie in ihrer ursprünglichen Schönheit wieder her, so wie sie vor den Verwüstungen der Reformation waren. Hütet euch, daß ihr nicht den Katholizismus ausgrabt.«

»Ja, hier spielen sie ein wenig mit dem Katholizismus, ganz wie zu Atterboms Zeit. Der Pfarrer selbst, übrigens ein gewaltiger Pokerspieler, stand lange in dem Verdacht, ein Krypto-Katholik zu sein; er hat zusammen mit einer Klique von Geistlichen den Plan gehabt, den Kult zu ändern und etwas mehr Schönheit hineinzubringen. – Es begann übrigens in den siebziger Jahren mit der Entdeckung unserer alten Missale und Breviere, die als Aktenumschläge in den Kollegien gefunden, restauriert und stückweise herausgegeben wurden. So kamen beispielsweise Sequenzen auf unsern Nationalheiligen, Erik den Heiligen, den Schutzpatron Schwedens zum Vorschein. Kapellmeister Norman hat Brigittas ›Rosa rorans‹ in Musik gesetzt; Wirsén stieg der Weihrauch in der Kathedrale von Siena zu Kopf, und Professor Byström wirkte für die Restaurierung der Kirchenmusik auf alter Basis; das Stenmuseum sammelte die alten Altarschreine; das Kloster Vadstena wurde wiederhergestellt, und Brigitta wurde fast eine lutherische Heilige; die Upsalaer Domkirche wurde renoviert und gemalt, und der Erzbischof reiste nach Rom und schüttelte dem Papst die Hand, der dem Ketzer die Bibliothek des Vatikans öffnete. – Nun, was ist Gefährliches daran? Es deutet auf eine Versöhnung von Mutter und Sohn, und es ist doch schön, wenn Verwandte sich vertragen, besonders wenn beide Christenmenschen sind und nur das vergängliche Werk der Dogmen zwischen ihnen steht.«

»Ja,« sagte der Doktor, »das interessiert mich wenig, denn ich bin wohl Heide; mein Großvater mütterlicherseits soll Neger gewesen sein, und ich gehöre nicht in diesen Schafstall; er ist mir nicht feindlich, aber er ist mir fremd.«

»Dir allerdings; doch die Lutheraner schreien im Chor mit dem Pastor primarius an der Spitze; die Vertreter der Versöhnungslehre brüllen, wenn sie von einer Versöhnung der Bekenntnisse reden hören. Schwache Gefäße, die bersten, wenn sie nur neuen Wein sehen!«

»Ist es wahr, daß Falk katholisch geworden ist?«

»Das ist eine Lüge; aber die Lutheraner sind von einer solchen Panik ergriffen, daß sie überall Katholiken zu sehen beginnen, ja, sie sehen sogar Jesuiten, obwohl ich noch keinem einzigen begegnet bin. Die Jesuitenorden sind von mehreren Päpsten aufgehoben worden, und doch sieht man sie, genau wie die Jesuiten früher Freimaurer ›sahen‹. Sie nennen mich auch Jesuit, mich!!! mich!!!«