»Es scheint mit den Kirchen dasselbe zu sein wie mit den Synagogen,« fiel Isak jetzt ein.

»Was ist mit der Synagoge?« fragte der Doktor.

»Ja, die ist wie ein Schneckenhaus; das Tier ist herausgekrochen und gestorben. Es ist nur ein leeres Gehäuse, in dem es ganz leise säuselt wie Erinnerung an ein brausendes Leben.«

»Da hast du recht, Levi; aber was für neue Baßtrompeten hört man jetzt in der Welt?«

»Du meinst die Heilsarmee?« fiel Kurt ein. »Das sind internationale Christen, Synkretisten, die ihre Tempel allen Bekennern Christi öffnen. Sie haben keine Theologie, keinen Katechismus, keine festgesetzten Formen, kennen keinen Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten; es ist lebendiges Christentum mit Glauben und guten Taten. Dieses kleine und ist der Bindestrich zwischen den entzweiten Kirchen, die um Glauben oder Taten stritten.«

»Was bist du denn?« fragte Sellén schließlich.

»Das weiß ich nicht! – Ein christlicher Freidenker vielleicht; Christ, weil ich in christlicher Familie geboren bin, Freidenker, weil ich mich keiner ›anerkannten‹ Kirchengemeinschaft anschließen kann.«

»Bist du Christ?«

»Ja, ebensosehr wie Isak Jude und Onkel Borg Heide ist, ebensosehr oder ebensowenig.«

»Jetzt will ich Musik haben,« unterbrach der Doktor, »Isak soll Bach spielen, und ich will treten.«