»Und ich,« fuhr der Graf fort, »bin dem Beispiel meines Vaters gefolgt, besonders weil das ganze Titelwesen veraltet ist.«

Der Geistliche wurde finster, denn er witterte einen dieser modernen Angriffe auf die Gesellschaft, die doch ihre Mitglieder nicht nach dem eigentlichen Gewicht ordnete. Aber er war ein humaner Mann und ging weiter.

»Sind Sie, Herr Graf, Verzeihung, ich kann nämlich Ihre Ansicht über die Wertlosigkeit der Titel nicht teilen, da der Staat selbst durch sie bürgerliche Verdienste einschätzt … Sind Sie nicht getauft, Herr Graf? Ich sehe keinen Taufschein.«

»Getauft? Nein, das glaube ich nicht.«

»Glauben Sie nicht? Dann kann ich nicht aufbieten.«

»Dann stehen wir da! Esther! Aber seltsam ist es jedenfalls, Herr Pastor; wenn man nicht heiraten und sich nicht trauen lassen will, dann wird man in Acht und Bann getan; und will man heiraten und sich trauen lassen, dann werden Hindernisse aufgerichtet, über die alle Verheirateten sich beschweren. Warum wollen Sie eine so einfache Sache hindern? Sie verlangen ja unter anderm den Beweis, daß man für die Ehe frei ist! Wie soll man das beweisen können!«

»Meine Instruktion ist das einzige, worauf ich Rücksicht nehme …«

»Aber das ist mir nicht möglich, und deshalb … deshalb gehen wir jetzt unserer Wege, unserer Wege.«

»Warten Sie einen Augenblick,« fing der Pastor wieder an. »Wir wollen uns die Papiere des Fräuleins ansehen! Hier steht – unkonfirmiert! Ja, dann geht es nicht. Ich bedaure, aber ich kann nichts dazu tun.«