Jetzt war an Esther die Reihe zu reden, denn sie hatte ihrer Mutter das Versprechen gegeben, und in ihr erwachte auch eine Erinnerung an den Vater, wie er sie draußen am Strande bei der Verlobung, die doch die Einweihung einer neuen Familiengründung war, in die Arme geschlossen hatte. Damit war das Bündnis doch gewissermaßen etwas anderes geworden als eine Bekanntschaft.
»Können Sie uns nicht helfen, Herr Pastor?« sagte sie in halber Verzweiflung, die sie anziehend machte.
»Nein, meine Freunde, das kann ich nicht. Denn ich setze voraus, daß Sie, Herr Graf, sich nicht taufen und Sie, mein Fräulein sich nicht konfirmieren lassen wollen.«
»Nein,« antwortete Esther und wurde zu einem ganz kleinen Mädchen, »denn wir glauben nicht an die Lehre. Aber sollen wir deshalb ausgestoßen und von Eltern und Geschwistern verachtet werden? Das ist doch zu streng!«
Der Pastor war gegen seinen Willen gerührt, als er sah, daß sie bei dem wichtigen Schritt doch gleichsam einen höheren Schutz in den schlimmsten, verhängnisvollsten Kämpfen des Lebens suchten. Er fand auch in ihrer Opferwilligkeit den Wünschen der Eltern gegenüber etwas Schönes, obwohl sie streng genommen ihr Gewissen opferten.
»Ich gebe zu,« begann er …
Jetzt hustete der Bürochef, und das bedeutete: »Gib nichts zu!«
»Ich gebe allerdings zu …«
»Herr Pastor,« unterbrach der Buchhalter … Und diesmal wurde nichts aus dem Zugeben.
Als die jungen Leute das Haus der Sünder verließen, konnte der Graf nicht mehr an sich halten: