»Lies!«

Der Doktor las, las und blähte sich, las und strahlte.

Er las, die Oberpriesterin der schwedischen Frauenemanzipation habe den ganzen Kitt hingeworfen, da sie entdeckt habe, daß es Torheit sei. Und sie forderte ihr Geschlecht und die Mütter auf, an der Entwicklung des Weibes zur Frau, zur Mutter und Gattin zu arbeiten.

»Endlich!« rief der Doktor aus. »Pfannkuchen war es und blieb es, weil es von einer falschen Voraussetzung ausging. Wenn man sich vorstellt, wieviel Arbeit, wieviel Haß, wieviel Sch… aufgerührt ist. Sie wollten Falk ja ermorden, weil er die Finessen der Verrücktheit nicht begreifen konnte. Wenn ich gläubig wäre, würde ich den Göttern eine Hekatombe opfern.«

Holger konnte nicht teilnehmen, denn ihm war, als habe er seine Religion, den Glauben an die Frau, verloren! Und einen Irrtum einzugestehen, hatte er nicht die Kraft. Er wurde böse, wie es üblich ist, und nachdem er sich erholt hatte, sträubte er die Haare.

»Weil sie erlahmt ist …«

»So? Sprechen wir von etwas anderm! Wie geht es Esther und Max?«

»Sie sind sicher gute Freunde, aber die Heirat ist aufgeschoben, weil die Pfarrer sie nicht aufbieten wollten.«

»Und warum soll aufgeboten werden, daß zwei Menschen lieben wollen! Das Geheimste, das zu verbergen einem ein natürliches Gefühl gebietet, soll zur Schau gestellt werden! Ich finde das zynisch! Aber man hat Angst vor Doppelehen! Das hat man, doch diese bekannten Bigamien und Polygamien innerhalb der bekannten Ehe sind straflos und sind Sitte geworden. Die Frau nimmt jetzt nur einen Mann, um einen Deckmantel und einen gesetzlichen Schutz zu haben – da mag der Teufel Lockvogel für liederliche Weiber sein. Als ihr die Frau von der Weiblichkeit und der Keuschheit losmachtet, wurde sie eine Kokotte. Ihr habt das Geschlecht und die Ehe vernichtet; diese männlichen Frauen haben die Instinkte des Mannes so verdorben, daß er pervers geworden ist. So endete Griechenland! Mit Aspasien, Freundinnen und Sodomiten. Ich glaube, wir sind dem Ende nahe! Ich habe, wie du weißt, mehrmals eine Gattin gesucht, eine Hausfrau und Mutter, habe aber nur eine Kokotte gefunden. Brunst und Haß, das habe ich gefunden. Für meine Liebe – verzeih den Ausdruck – suchte ich Gegenliebe, fand aber nur Haß; Haß gegen den Mann, Haß, der die sogenannte Liebe der Frau auszumachen scheint. Einen Mann erniedrigen zu können, ist ihr Ideal. Du kennst das! – Du gibst ihr deine Manneskraft, und mit dieser Kraft, deiner Kraft, beherrscht sie dich. Sie wirkt wie der Induktionsapparat; sie vervielfacht deine Stromstärke und stellt den Strom um gegen dich. Aber das hast du nie verstanden! Sieh dein Juwel an, wie sie zusammenfällt, so oft du den Strom unterbrichst! Vor dir selbst beugst du dich, wenn du dich vor ihr beugst! Sieh dir an, wie die ›großen Frauen‹, die du bewunderst, entstehen. Zunächst suchen sie starke Männer auf, berühmte, suggestive; wenn sie Kraft aus ihren Akkumulatoren geholt haben, beginnen sie selber Batterie zu spielen und Ströme auszusenden, die aber nur sekundär sind. Wenn alles fertig ist, dann kommen sie und nehmen; wenn das Schlachtfeld mit Toten und Verwundeten besät ist, dann kommen die Knochenleserinnen; und immer findet sich eine Schar von schwachen Männern, die den Lumpensammlerinnen wie Königinnen huldigen; du kennst diese Art Männer, die Männern Fußtritte versetzen …«