»Wer hat die Büste gemacht?«

»Eine Frau, das ist aber seltsam.«

»Nein, wieso? er hat doch immer Beziehungen zu Frauen und Kindern gehabt,« antwortete Esther. – »Aber was ist das auf dem Sockel?«

»Das sieht aus wie Feuersflammen. Soll das den Schwefel vorstellen, den er analysiert haben will, oder das Inferno, das er jetzt durchmacht?«

»Er sieht nicht bange aus, eher strahlt er von dem göttlichen Übermut, den die Götter hassen.«

»Meinst du, daß einer diesen Mann verstanden hat? Er behauptet, keiner habe das getan, weil er sich selbst nicht verstand; aber er scheint bisweilen sein Lebensrätsel zu ahnen und faßt sich als eine Aufgabe auf. Er ist für mich so etwas wie Balzacs Louis Lambert, einer, der hier nicht zu Hause ist. Sein Mißvergnügen mit allem hienieden will er seinen latenten Erinnerungen an ein Besseres zuschreiben; er sieht in allem schlechte Kopien des Originals, auf das er sich dunkel besinnt. Und sein Schwanken zwischen asketischer Frömmigkeit und sinnlicher Gottlosigkeit deutet an, daß er das irdische Leben als eine Strafe betrachtet und inzwischen einmal ein Schlammbad als Pönitenz nehmen muß.«

»Hast du ihn gekannt?«

»Nein, ich glaube, kein Mensch hat ihn gekannt. Er hat die Fähigkeit, sich im Verkehr zu kaschieren, indem er sich dem Sprechenden anpaßt, so daß sein Zuhörer nur den Eindruck gewinnt, sich gespiegelt oder mit sich selbst gesprochen zu haben. Deshalb gibt es so viele sonderbare Charakteristiken von ihm, bei denen man das Gefühl hat, daß die Porträtisten ihr eigenes Bild, nicht seins, wiedergegeben haben! Kürzlich hat eine Frau in einem Essay ihn zu erläutern versucht, gibt aber zu, gescheitert und nahe daran gewesen zu sein, den Verstand zu verlieren.«

»Warum wird er denn so gehaßt?«

»Wenn Ihr nicht von dieser Welt seid, haßt die Welt Euch!«