»An Doppelgänger im Sinne des Pöbels glaube ich nicht; aber es könnte ja unsere Projektion der Büste gewesen sein. Wir, du und ich, ›sehen‹ uns doch bisweilen, und das sind doch nur Projektionen plus etwas, was ich noch nicht kenne. Die Theosophen haben das Faktum beobachtet, können es jedoch nicht erklären; sie nennen es ›gelegentliche Materialisierungen der Halbmaterie des Gedankens‹.«

»Aber seine Schritte waren so schwer?«

»Ja, er soll so schwer auftreten, als hielte er sich am Boden fest, um nicht hochgehoben zu werden. – Weißt du, was Levitation ist?«

»Ja! Aber willst du nicht die Kunstwerke ansehen?«

»Ich bin blind auf den Augen, ich kann äußere Dinge nicht sehen; ich will nur an deiner Seite gehen, denn dann ist es hell in mir, – kannst du das erklären? Obwohl ich oft, wenn ich über dich nachdenke, meine, daß du aus dem Dunkel bist. Dann hasse ich dich wie das Böse; aber sofort wird es dunkel. Was ist das? – Nun, jetzt, da die Zeit der Versöhnung da ist, glaubst du, daß auch Mann und Weib sich versöhnen werden und daß der Kampf der Geschlechter sich beilegt?«

»Nein,« antwortete Esther, »das glaube ich nicht, denn würden sie nicht durch Differenzen aufrechterhalten, würde die ganze Welt pervers. Du weißt ja, daß alle Frauenfreunde sonderbar sind. Sie haben Damenseelen, deshalb ehren sie sich selbst in der Frau. Jünglinge, die noch sexuell unbestimmt sind, beten doch die Frau an. Aber hast du bemerkt, daß unsere Herren aufgehört haben, von ihren Verhältnissen zu sprechen …«

»Ich hörte nicht, was du sagtest.«

»Nein, du hast ein Talent, dich gegen fremde Einflüsse immun zu machen.«

»Wenn sie herabziehen! – Jetzt wirst du wieder dunkel!«

Sie gingen weiter, hielten sich aber ein Stück voneinander entfernt, und Max sah aus, als wolle er in die nächste Tür hineinlaufen und sich verstecken.