»Weiß ich nicht! Der Zusammenhang wäre ja die Erklärung, und die finden wir nicht. Deshalb wird jede Erklärung lächerlich. Weiter aber: Baedeker, der doch kein okkultes Buch ist, berichtet ganz unschuldig: Als man 1869 die Königsgräber in Speyer plünderte, wurde das Manöver von einem angeführt, der Hinz hieß. Als die Königsgräber in Saint Denis 1789 geplündert wurden, hieß der Anführer auch Hinz.«
»Was könnte das bedeuten?«
»Weiß nicht!«
»Sag einmal, hast du Dreyfus gekannt?«
Da blieb Graf Max stehen und betrachtete Esther, als wolle er sehen, ob sie scherze:
»Nein, ich habe ihn nicht gekannt … aber wenn wir uns in vielen Jahren einmal unter vier Augen treffen und du dann noch ebenso interessiert bist wie jetzt, dann will ich dir eine Geschichte erzählen … Ja, er war ein Mann der Vorsehung, aber ein leidender Christus war er nicht.«
»Bist du Christ?«
»Ja, ich bin ein christlicher Freidenker … Und seltsam ist: als wir das Christentum geschleift haben, da ist soviel Weisheit und soviel Humanität mit verlorengegangen. Wir sind roher und dümmer geworden … Will man jetzt einen feinen Menschen finden, muß man ihn unter den Pietisten suchen, wenn sie nur nicht von Jesus reden und nach deiner Seele fragen. Willst du einen Menschen sehen, der sich beherrscht, der Sprache und Gedanken pflegt, der human im Urteil, resigniert im Leid ist, stets die Blicke emporrichtet, alles vergeistigt, was er anrührt, der es vermeidet, anzustoßen und zu verletzen, der seinen Körper diszipliniert, dann sieh dir einen Pietisten an! Er strebt zum Übermenschen, allerdings mißlingt ihm das oft. Doch das Streben ist es, siehst du … Wenn er nur nicht darüber reden möchte. Religion für den eigenen Gebrauch, innerlich, doch nicht …«
»Aber die Freude am Leben?«
»Was ist das für eine Freude?«