»Siehst du, da trennen sich unsere Wege.«
»Wieso? Ich habe meine stille Freude auf meine Art, aber … Du erinnerst mich an Chopins zweites Nocturno und unsere erste Begegnung bei den Mädchen, die in Freude lebten … das war ihr Surrogat für …«
»Was ist deine größte Freude?«
»Einen neuen Gedanken zu gebären! Dann bin ich Vater und Mutter zugleich und brauche die Ehre nicht mit einer Frau zu teilen, die mit meinem Kinde ihrer Wege geht und sagt, es sei ihrs …«
»Max, ist es dir ein Genuß, daß ich leide?«
»Nein, ich leide unter dem Leid, das ich zufüge, aber ich höre an deiner Frage, daß es bei dir umgekehrt ist …«
»Wenn ich dich leiden sehe, liebe ich dich; es steht dir. Aber wenn du froh bist, hasse ich dich; du wirst banal, übermütig, laut. Im übrigen ist mir immer bange vor einem frohen Menschen; wer lacht, zeigt die Zähne und ist nicht weit vom Beißen …«
Sie verstummten beide, Esther, weil sie merkte, daß sie sich ins eigene Fleisch geschnitten hatte, Max, weil er sie nicht durch eine Enthüllung ihres Fehlhiebs verletzen wollte.
In den Gotischen Zimmern war man in lebhaftere Stimmung gekommen. Gustav Borg hatte einen Brief von seinem Sohn Anders aus Amerika, aus dem er Stücke vorlas: