»Das Charakteristischste in dem neuen Leben hier in Amerika ist die allgemeine Beweglichkeit, Unstetigkeit. Man hat keine Ruhe; alles verändert sich so schnell; Wohlstand und Armut wechseln, so daß keine Klassen und Geschlechter sich bilden können; der Reiche ist arm gewesen und kann es wieder werden, das weiß er; der Arme ist reich gewesen und kann es auch wieder werden. Deshalb verstehen sie sich; sind vorsichtig und handeln mit Vorbedacht. – – Der Tag ist zu kurz, und man eilt zur Ruhe der Nacht als dem einzigen großen Genuß, der nichts kostet; und man erwacht zum Ernst der heiligen Arbeit, von deren gewissenhafter Ausführung die Existenz abhängt. Hier ist es eine Gnade, Arbeit zu bekommen, und man wird stündlich daran erinnert, daß man kein Recht an das Leben hat, sondern daß alles Gnade ist. – – Diese harte Schule zieht eine Generation groß, die furchtbar sein mag, wenn sie dereinst Schwärme aussenden wird. Ich blicke bereits auf Europa wie auf ein verblühtes Hellas: viel Schönes, aber geschwächt und wahrscheinlich erschöpft; philosophiert über das Leben, lebt es aber nicht …«
»Ja, der Junge hat recht,« unterbrach der Doktor, der seiner Gewohnheit getreu das Wort führen wollte. »Ihr wißt, daß die letzte Statistik seit 1890 250 000 Auswanderer aus Schweden anführt; und die meisten zwischen 15 und 35 Jahren. Das Land wird schließlich von Kindern und alten Leuten bevölkert sein …«
»Ist es da ein Wunder, daß die Frauen heran mußten und arbeiten?« fiel Gustav Borg ein, der gern die Gelegenheit abpaßte.
»Da hast du ein wahres Wort gesagt. Ja, in einem Staat von Kindern und Pensionierten müssen sie heran und arbeiten, da keine Männer da sind, von denen sie leben könnten … Das ist ein neuer Gesichtspunkt! Wenn sie aber auch herrschen sollen, dann möge doch Asien über uns hereinbrechen und wir lieber von barbarischen Männern als von Damen der Gesellschaft, von Aspasien und Emanzipierten beherrscht werden.« – –
»Jetzt brechen wir nach der Schanze auf,« kommandierte Gustav Borg.
»Ja, gehen wir aufs Kapitol und danken wir den Göttern für das vergangene Jahrhundert, das mit Dreyfus endete und mit Napoleon begann, dessen Brüder zum mindesten zu den Kindern Israel zu gehören scheinen.«
Esther und Max waren zum Zoll hinausgekommen, wo im Halbdunkel das einsame Schloß, hinter dessen hohen Fenstern Licht brannte, sich weiß erhob.
Max sprach wie für sich selbst: