»Du vergißt, daß du dein Geld verlierst, wenn du mich stürzt!«

»Das vergesse ich nicht; aber ich habe mehr Geld, als du glaubst, also bin ich nicht zu ruinieren. Du hast bis morgen um zwölf Bedenkzeit. Adieu! …«

Der Doktor fuhr zur Tür hinaus, und der Redakteur blieb mit seinen schweren Gedanken allein.

Abgesetzt, als Ausgedienter auf den Kehricht geworfen, er, der die große materielle Neubildung nach 1850 mitgemacht hatte. Er erinnerte sich der ersten Eisenbahnstrecke 1852; erinnerte sich der Eröffnung der Telegraphen 1853, der ersten Gaslaterne 1854; der ersten Briefmarke 1855, und er hatte in den achtziger Jahren das Telephon und das elektrische Licht mit erlebt. Aber von den politischen Idealen seiner Jugend hatten sich wie gewöhnlich nur wenige realisiert, die meisten waren zerstört und verschwunden und als Afterkorn in den Graben gefallen; einige waren auf andere Weise, als er erträumt hatte, verwirklicht worden, und die Folgen waren das Gegenteil von dem gewesen, was man erwartet hatte. Unterdes waren neue Ideale aufgetaucht, die er nicht verstand und die er fürchtete. Zum Beispiel verstand er die große Arbeiterbewegung nicht, denn er hatte nicht bemerkt, daß das Land in diesen vierzig Jahren aus einem Bauernlande ganz allmählich ein Industrieland geworden war; er nannte die Führer der Arbeiterpartei Agitatoren und Anarchisten, obwohl sie gerade für Gesetzgebung und Ordnung in den noch ungeordneten Massen wirkten. Er verstand das Streben der Jugend nach Freiheit und Verantwortung, nach Selbstbetätigung und Selbstbestimmungsrecht nicht, deshalb fiel er. Das war tragisch, denn es war unabänderlich, daß die Zeit der Wachstumsfähigkeit des Menschengeistes eine Grenze setzte; und er fiel nicht durch eigene Schuld, sondern infolge der Gesetze des Lebens.

Daß der Sohn sein Nachfolger werden würde, hatte er sich ja immer gedacht; aber daß er ihn verdrängte, und auf diese Art, das war schlimmer als alle Bitterkeit des Lebens.


Er verschloß seinen Schreibtisch und ging fort, um aufs Land zu reisen und über den Entschluß, den er fassen mußte, nachzudenken. Seit einigen Jahren hatte er nämlich einen Landbesitz draußen auf den Schären, wo er den größeren Teil des Jahres mit seiner Familie lebte.


Drittes Kapitel
Die Storöer