»Die Volkshochschullehrer – das sind sonderbare Leute, mußt du wissen – behaupten, es sei Mangel an Vaterlandsliebe; wie aber dieser Mangel entstanden ist, sagen sie nicht. Ich habe einmal so einem Erzieher geantwortet: wie kann man ein Land lieben, dessen Grund und Boden dem Ausländer gehört? Du weißt doch, daß der schwedische Grund und Boden für 226 Millionen dem Auslande verpfändet ist, daß die Kommunalschulden sich auf 175 Millionen belaufen und daß die staatliche Obligationsschuld 287 Millionen beträgt. Das Land verpfändet, und wird's auch bleiben, singt man jetzt in gewissen Klubs. Nun stellt man gewöhnlich den Hypothekenschulden die Sparkassengelder entgegen. Aber die Sparkassengelder sind an ebensoviele Pumper ausgeliehen und werden nach und nach von Auswanderern abgehoben, die sie für das Schiffsbillett reserviert hatten. Die Staatsobligationen sind durch das Eisenbahnmaterial gedeckt; das ist jedoch eine falsche Buchführung, denn Schienen und Lokomotiven müßten im Inventarverzeichnis stehen.«

»Aber die Verkehrsmittel sind produktive Kräfte.«

»Jawohl, das sind die Landstraßen auch, und die Wasserwege ebenfalls, doch sie sind kein Kapitalvermögen. Das Unglück ist, daß sich unter unsern siebenundzwanzigtausend Regierungsbeamten nicht ein Buchhalter befindet; allerdings, was sollte das in einem Staat nützen, wo dieser selbst und die einzelnen über ihre Verhältnisse leben? Der Staat müßte nach Vermögen und nicht nach Gutdünken Steuern ausschreiben. Jetzt aber sagt man nur: wir müssen ein Heer haben, und dann fordert man eine halbe Milliarde. Denke dir, eine halbe Milliarde, die in zehn Jahren bezahlt sein soll!«

»Aber die Auswanderung? Was meinst du über die Ursachen?«

»Die Schweden fühlen sich nicht wohl; alles ist dumpfig; es ist ihnen langweilig, allein in den einsamen Dörfern zu sitzen; sie haben kein Zusammengehörigkeitsgefühl, weil die Nation nicht gleichartig ist. Der ganze Adel, die oberen Klassen und der Mittelstand sind zum größten Teil eingewanderte Ausländer, die sich unter schwedischen Namen verbergen. Diese bilden einen Feudalstaat von Beamten, die ihre Gehälter von den Heloten einziehen. Beamter zu werden und Pension zu bekommen ist ja das Ideal jedes ›besseren Menschen‹. Die Universitäten sind nur Schulen für Beamtenexamina, und eine der Universitäten hat in einer Fakultät ebensoviele Dozenten wie Studenten. Die Studenten sind noch ein privilegierter Stand von konservativen Burschen, die die Nation bei Saufereien repräsentieren (von Ausnahmen abgesehen). Aber es gibt noch anderes, was trennend wirkt. Das ist der alte Provinzpartikularismus, und der macht sich noch in den Landsmannschaften an der Universität geltend, wo aller alte Bodensatz sich aufsammelt. Sie beneiden und hassen einander, und besonders die Geistlichen sind bei Beförderungen durch das Indigenatsrecht an die Provinz gebunden. In den Ämtern siehst du, daß sofort eine Invasion von Smaaländern in das Amt stattfindet, wenn der Präsident zum Beispiel ein Smaaländer ist; und in der Hauptstadt gibt es Vereine, in denen die Provinzialen sich zusammenrotten, um ›gemeinsame Interessen zu fördern‹; im Reichstag sitzt man nach Provinzen geordnet, und in die Schwedische Akademie wurde man eine Zeitlang nach südschwedischem Indigenatsrecht aufgenommen, so daß man das erhabene Institut, im Scherz natürlich, Schonensche Akademie nannte. Ja, es ist so viel Unrat da, der hier das Leben unleidlich macht. Keiner fühlt sich zu Hause; jeder einzelne ist Feind in Feindesland; etwas auszurichten wagt keiner, denn er wird gehindert; die einzige Energieäußerung spürt man, wenn etwas verhindert werden soll. Die etwas tun wollen, müssen sich ein anderes Land suchen, deshalb wandern die Energischen aus, die Hinderer aber bleiben! Das ist verteufelt!«


Beim Blockhauszoll begann es windig zu werden, und der Redakteur begab sich in den Achtersalon. Da fand er einen schlafenden Herrn, der ihm den Rücken zukehrte; an der kolossalen Breite sah er sofort, daß es der Schwager war, der Pfarrer von Storö, den er jetzt nicht gern treffen wollte. Deshalb folgte er dem Beispiel, warf sich auf das andere Sofa gegenüber und drehte dem Pfarrer den Rücken zu.


Während die Schwäger im Achtersalon schliefen, saßen Doktor Borg und seine Schwägerin Brita, die Frau des Redakteurs, oben im Rauchsalon und plauderten. Sie wußten freilich von der Anwesenheit der andern auf dem Schiff, aber es lag ihnen nichts daran, mit ihnen zusammenzutreffen.

»Es muß zum Krach kommen,« fuhr der Doktor fort, »und du, Brita, wirst die Bombe werfen!«