»Ja, lieber Freund,« antwortete die Frau mit höchst wohlwollendem Entgegenkommen, »ich habe meine Bomben jetzt so viele Jahre lang geworfen, daß ich nun wohl zum Dynamit greifen muß. Gustav mit seinen altliberalen Ansichten ist unser schlimmster Feind; er versteht nichts von dem Großen, das jetzt in der Welt geschieht; er hat freilich einmal die Theorien gebilligt, aber wenn es darauf ankommt, einen einzigen Gedanken, ein einziges von seinen Jugendidealen zu verwirklichen, dann versagt er.«

»Vollkommen: deshalb müssen wir ihm den Schwanz hochbinden; er soll abgehen und deinem Holger gegen eine gewisse Pachtsumme die Leitung überlassen; will er weiter für die Zeitung schreiben, so mag er das tun, aber unter Zensur des Chefredakteurs.«

»Wenn Holger nur nicht zu weichherzig ist! Trotz seinem Ingenieurkopf hat er noch ererbte Schwächen …«

»Die werde ich ihm schon austreiben, und da du absolut gefühllos bist, kannst du dabei helfen. Wir wollen uns verbünden, du und ich, dann wird etwas ausgerichtet.«

»Ja,« antwortete Brita mit ihrer sorglosen, menschenfreundlichen Miene, »aber dann müssen wir ein Kompromiß schließen. Du mußt für meine Frauensache eintreten.«

»Du weißt, das tue ich, soweit die Gerechtigkeit geht, nur bei Ungerechtigkeiten mache ich nicht mit. Ich billige deinen Kampf für die Menschenrechte der Dienstboten, für die Lohnbedingungen der Arbeiterinnen, für Befreiung der Mädchen von Untätigkeit und Tand; ebenso bin ich für freie Verbindungen mit gesetzlicher Verantwortung, aber ich bin nicht für freie Liebe in der Ehe, denn das ist die Sklaverei des Mannes, besonders wenn er falsche Kinder im Kirchenbuch stehen hat; ich bin nicht für das Eigentumsrecht der verheirateten Frau, das den Besitz der Frau vom Beitrag zum Unterhalt der Familie befreit, das Vermögen des Mannes jedoch als gemeinsamen Besitz beibehält.«

»Und die häusliche Arbeit der Frau? Soll die nicht bezahlt werden?«

»Was ist das für Arbeit? Hast du je im Hause gearbeitet? Du hast Befehle gegeben, die von Dienstboten ausgeführt wurden, die Gustav bezahlte: Er aber hat dich und deine Kinder und deine Dienstboten ernährt und gekleidet. Du redest Unsinn!«

»Sollen denn arme Waschfrauen, die selbst verdienen, ihr Geld nicht behalten, soll der Mann das vertrinken dürfen?«

»Wenn der Mann seinen kargen Lohn nicht behalten darf, sondern ihn an die Familie abliefern muß, so soll auch der Lohn der Frau für die Wirtschaft verbraucht werden. Begreifst du nicht, daß der Mann sonst Sklave wird? Und gegen die Sklaverei hat selbst der altliberale Gustav gepredigt! Hast du übrigens schon einmal eine Waschfrau gesehen, die den Mann ihr Geld vertrinken läßt? Wenn du es gesehen hast, so wird sie es gewollt haben, und wenn sie es will, so kann keine Gesetzgebung es hindern. Du übersetzt zum Beispiel, statt die Wirtschaft zu besorgen, und du vertrinkst deine Honorare, das heißt verjubelst sie mit Reisen und Festen, während Gustav dir Dienstboten hält, die deine Arbeit tun. Findest du das gerecht, oder findest du, daß die Stellung der Frau unterdrückt ist? Ja, dann bist du ein Dickkopf, und ich kann keinen Kompromiß mit dir schließen.«