»Der feige Schwede«, hieß es, »der Schwede kriecht«, »Norwegen übernimmt die Führung« und so weiter. Solange das Unwahrheit war, wirkte es nicht auf den Doktor; als aber eines Tages die Kriecherei Wirklichkeit wurde, als die neidischen, niedriggesinnten Schweden, besonders die alten Weiber, systematisch alles Norwegische in den Himmel zu heben begannen, auch das Mittelmäßige, auf Kosten ihres Eigenen, und in der bestimmten Absicht, das Eigene herabzusetzen, da sagte er: Halt! Doch da fiel er und wurde Norwegerhasser genannt. Mit seinem Familienfrieden war es aus, und seine Reichstagskandidatur war in Gefahr. Sein Bruder Gustav, von Natur Großschwede und im Herzen den Norwegern feindlich gesinnt, ließ sich trotzdem von Politik, Interessen und Leidenschaften bestimmen und nutzte deshalb die norwegische Frage gegen seinen Bruder aus. Diese falsche Taktik reizte den ehrlichen Doktor, und er begab sich mitten in die Festung des Bruders, um ihn in die Luft zu sprengen.
Er machte Frau Brita seinen Besuch, während Gustav bei Frau Dagmar operierte.
Frau Brita saß in ihrer Villa; sie nannte sie ihre Villa, weil sie Geld mit in die Ehe gebracht hatte, Gustav aber nannte sie »unsere Villa«, weil zwischen den Ehegatten nach dem Gesetz Gütergemeinschaft bestand. Es war ein großes Holzhaus mit fünfzehn Zimmern und zwei Küchen. In der einen Küche hatte Brita ihren Schreibraum, wo sie ihre Vorträge, ihre Artikel, ihre Briefe schrieb, der einzige Ort, wo sie vor ihren vielen Kindern Ruhe fand; sie hatte sieben.
Mit ihrer unglaublichen Gutmütigkeit empfing sie den Schwager Henrik trotz seinen brutalen Reden auf der Dampferfahrt.
»Hör einmal, Altchen,« begann er, »wenn ich dir sage, daß wir Gustav neutralisieren müssen, so bedeutet das nicht, daß ich mit dir einen Kompromiß schließen will.«
»Was hat er denn jetzt vor?«
»Ja, erstens arbeitet er gegen die Zeitung, zweitens will er meine Kandidatur hindern, und drittens spekuliert er mit eurem Geld an der Börse.«
»Mit meinem Geld?«
»Nein, mit eurem; aber das ist ebenso tadelnswert!«
»Spielt er an der Börse?«