»Ja, und wir sind schon auf dem Wege! Wißt ihr, mir macht dieses Fest keine Freude; es bedeutet für uns, daß wir Schweden nicht mehr nötig sind. Frankreich hat uns seit mehreren Jahrhunderten als Vorposten gegen Rußland benutzt, und es gibt eine alte in Frankreich geschlagene Medaille, auf der dem Schweden sein Platz als Frankreichs Söldner angewiesen wird. Sie haben uns tatsächlich als eine Art Schweizer betrachtet, die von Truppenvermietung lebten; und jetzt, da sie das Bündnis mit Rußland geschlossen haben, um China zu teilen, hat Schweden seine Rolle in der Geschichte ausgespielt. Wir werden nicht mehr gebraucht! Ich war gestern mit einem Schiffsarzt vom Geschwader zusammen und zeigte ihm Stockholm. Er sprach über die Allianzen und die bevorstehende Aufteilung der Erdkugel unter die Nationen Europas. Ich dachte an mein Land, das nicht dabei sein darf, nicht um Rat gefragt wird, nicht mitzählt; und ich fühlte mich wie ein von der Schule Relegierter, ein Gestrafter, der keine Heimatberechtigung hat, ein Paria ohne Menschenrechte in der Weltgeschichte. Mir, wie euch, ist nun einmal der Stolz darauf, Schwede zu sein, anerzogen. Was soll man da stolz sein? Eine Taubstummensprache sprechen, die niemand versteht, wenn man nach Europa hinein kommt; in romanischen Ländern wird man mit den geringgeachteten Schweizern verwechselt, in Deutschland als ein Plattdeutscher behandelt, der ihre Edda annektierte, die doch Wagner uns nach dem Kriege gestohlen hat. Ein Serbe, Bulgare oder Rumäne kann stolzer sein als wir, denn sie haben eine Aufgabe in der Weltgeschichte: Puffer gegen die Türkei zu sein; wir aber haben keine! Doch ich wollte meinen Franzosen bekehren, und da ich auf unsere Schanze ebenso stolz bin wie ihr, führte ich ihn dort hinauf, um ihn zu zerschmettern. Von unten sieht man ja Bredablick und die Glockentürme. Als wir ans Tor kamen, wollte ich ihn in Stimmung bringen, deutete auf den roten Aussichtsturm und sagte:

›Das ist unsere Akropolis; da wird Svea verwahrt, ihr Palladium und ihre Ahnen.‹ Es war gut improvisiert, das fand ich selbst; und der Franzose stellte sich auf eine Überraschung ein. Wir kletterten hinauf, besahen einige Glockentürme und einige Renntiere, einen Pranger und eine alte Kanone, aber wo wir auch gingen, stießen wir auf Tiere. Unglücklicherweise war mein Arzt Zoologe und warf sein Interesse auf die Tiere, so daß ich ihn nicht losreißen konnte. Als er die Eisbären bemerkte, fragte er, ob es die in Schweden gebe, und ich mußte lügen und ja sagen.

›Schöne Menagerie,‹ sagte er, ›sehr schön!‹

Ich führte ihn zu den Häusern, aber sie vermochten sein Interesse nicht zu erregen.

›Hütten, Bauernhütten, sehr hübsch.‹

Wir kamen an dem Bierpavillon und dem Musikorchester vorbei.

›Varieté,‹ sagte er, ›sehr hübsch!‹

Als wir nach Bredablick kamen, mußte er sich die Aussicht anschauen, und dann wollte er nichts mehr sehen. Und wißt ihr, liebe Freunde, da war auch nichts mehr zu sehen!

Aber jetzt fing er an zu fragen:

›Akropolis? Jetzt wollen wir die Akropolis ansehen.‹