Unter dem alten Regime hatte Le roi soleil sein Licht allem Großem gespendet; jetzt aber entlieh die monarchische Institution ihren Glanz von allem Großen, indem sie ihm ihren hohen Schutz angedeihen ließ. Nordenskiöld nahm es hin wie ein unschuldiges Spielzeug, ohne indessen etwas von seiner Persönlichkeit dafür zu geben.
Die Altliberalen hatten freilich gemurrt; doch als sie sahen, daß der Mann keinen Schaden nahm, verziehen sie ihm schnell, und das verdiente er.
Nun war der offizielle Teil zu Ende, und man zerstreute sich in Gruppen. Die »Gesellschaft« hatte den Tanzpavillon eingenommen, andere kleine Gruppen ließen sich in Kiosken nieder oder oben auf der Terrasse im Café, im Zelt, in den Kegelbahnen.
Gustav Borg befand sich in der »Gesellschaft«, in einem Kiosk in der Nähe aber saßen seine Frau Brita, die Söhne Holger und Kurt, der Architekt, sowie Doktor Borg, ohne Frau; sie konnte nicht französisch und wollte nicht gedemütigt werden.
»Die Situation ist unklar,« sagte der Doktor, »unklar wie alles augenblicklich. Die Liberalen haben sich auf das Geschwader gestürzt, und Gustav blüht da unten auf der Rabatte.«
»Mit wem spricht er?« fragte Brita.
»Es ist eine Finnländerin, kannst du dir das vorstellen!«
»Die das Kronstadter Geschwader und die russische Allianz feiert?«
»Tja, die Situation ist unklar! Eins aber ist sicher: jetzt wird den Finnen ihr grenzenloser Übermut und ihre dumme Verachtung Schwedens heimgezahlt. Die Finnomanie der siebziger Jahre, die von schwedischen Finnen gepflegt wurde, war nur die Fortsetzung von Anjala. Ich war damals drüben in Helsingfors, und es war unerträglich. Dieser Forsman verachtete die schwedische Sprache so sehr, daß er sich umtaufte und sich Yrjö Koskinen nannte oder so ähnlich; Topelius war russischer Staatsrat oder irgend etwas Russisches; wenn ich einen schwedischen Finnen auf schwedisch ansprach, antwortete er nicht; sie faselten vom ›schwedischen Joch‹, worunter sie die schwedische Sprache verstanden, und versuchten etwas auf Kalewala aufzubauen, auf diesem Jugendbuch, das von einem Sägemühleninspektor zusammengebraut zu sein scheint. In den achtziger Jahren wollten sie das Schwedische abschaffen und ihre samojedische Rindenkultur mit der finnischen Sprache einführen; die Alten spielten russische Staatsräte und die Jungen russische Nihilisten; Walter Runeberg soll für Helsingfors eine Alexanderstatue machen; das trojanische Pferd, was? Aber jetzt, wo es brenzlig wird und Rußland sich Finnland einverleiben will, da kommen sie hierher und verlangen, daß wir Rußland den Krieg erklären. Denkt euch, in dem Salon dieser finnischen Dame verkehrt ein finnischer Senator, der verbannt zu sein glaubte, weil der Zar ungnädig gegen ihn gewesen war; der Zar aber wußte von keiner Ungnade und hat kürzlich nach seinem Freunde, dem Senator, gefragt, den er vermißte. Werdet ihr klug daraus? Und diese Finnländerin glaubt eine große Patriotin zu sein, ja sie ist so urfinnisch, daß sie an der Errichtung einer Elevenschule am Schwedischen Theater in Helsingfors teilgenommen hat, in der neuangekommene Schweden die finnische Aussprache lernen sollen, das heißt mit finnischem Akzent sprechen. Was soll man dazu sagen? Arme Finnen, sie wissen nicht, was sie tun, aber sie haben es so gewollt! Übrigens läuft ja alles auf Zusammenschluß hinaus und auf das Aufsaugen der kleinen Nationen. Das ist im Anfang schmerzlich; aber das Weltbürgertum wird nicht mit ein paar Groschen erkauft! Seht, jetzt macht sie sich an einen russischen Attaché heran! Das müßte der Senator sehen!«
»Die kleinen Nationen werden verschwinden,« fiel jetzt Frau Brita ein, froh und munter, als verkünde sie eine Entdeckung.