»Die Situation ist unklar,« fuhr der Doktor fort, »das Wasser ist trüb, und die oberen Stände werden fischen können!«
Siebentes Kapitel
Der Nährstand
Am Tage vorm Neujahrsabend saß Anders Borg, der dritte Sohn des Redakteurs, auf seinem Pachthof Langvik, schloß seine Bücher ab und rechnete. Langvik, das zum Pfarrhof gehörte, war ein mittelgroßes Gut und lag an einer Bucht der Ostsee nach der Meerseite, in einem Archipel von Holmen und Schären.
Anders Borg, der an der Landwirtschaftlichen Hochschule studiert und sich sehr früh verheiratet hatte, so daß er jetzt vier Kinder besaß, war schon seit drei Jahren hier Pächter.
Zwei Jahre hatte der Vater die Pacht bezahlt, in diesem dritten aber weigerte er sich. Anfangs hatte Anders, der ein leichtsinniger Bursche war, wie ein Herr gelebt und gehofft, mit Einführung der Zölle würden bessere Zeiten kommen. Die Zölle kamen, doch es wurde nicht besser, denn er mußte alles teuer und schlecht kaufen. Im zweiten Jahre versuchte er das Deputat einzuschränken; als er jedoch sah, daß das nichts nützte, lebte er wieder drauflos und ließ fünf gerade sein.
Jetzt aber, als das Jahresende herankam und die Tage in all ihrer Kürze endlos lang waren, vertrieb er sich die Zeit damit, zu rechnen, die Ursachen des Verfalls der Landwirtschaft zu berechnen. Und er kam zu höchst eigentümlichen Resultaten.
So hatte er jetzt das Milchjournal vor und sah, daß die Butter ihm auf sieben Kronen das Kilo kam, während er sie für zwei Kronen verkaufen mußte. Er glaubte zuerst, er habe sich verrechnet, aber als er im Buch sah, daß die Kuh fünfzehn Pfund Heu für fünfzig Ör das Pfund fraß, bis sie ein Kilogramm Butter gab, wurde ihm bange. Wenn auch die Magermilch für Instleute, Kälber und Ferkel benutzt wurde, rechnete sich dieser Vorteil doch auf gegen die Kosten für Wartung des Viehs, Streu und den teuren Transport nach der Stadt.
Sah er nun nach, was es kostete, ein Tier aufzuziehen, so fand er, daß das Tier seinen Verkaufspreis aufgefressen und er umsonst gearbeitet hatte.