legte also Wert auf diese kleinen Aufmerksamkeiten, ohne weiter darüber nachzudenken, was diese Vorbereitungen auf den Tod bezwecken könnten.


Eines Winterabends, als die Bucht unterm Eise lag, die offnen Meeresflächen aber nicht mehr fahrbar waren, man schon vierzehn Tage eingeschlossen war, ohne einen Nachbar begrüßen zu können, ohne einen Brief oder eine Zeitung zu erhalten; als die Einsamkeit und der Schnee das Gemüt bedrückte und der kurze Tag nur wenig Arbeit erlaubte, hatten sich die Leute in der Küche versammelt; auch Gustav war dabei. Das Feuer brannte im Herd und die Burschen saßen und flickten Netze. Die Mädchen spannen und Rundqvist schnitzte an einem Spatenschaft. Der Schnee war den ganzen Tag gefallen und stieg schon über die Fensterscheiben. Wie ein Totenzimmer sah die Küche aus, da die Fenster mit Laken aus Schnee verhängt waren. Jede Viertelstunde mußte ein Mann hinaus und die Tür frei schaufeln, damit man nicht eingeschneit wurde, sondern zum Melken und Futtern nach dem Stall gelangen konnte.

Jetzt war die Reihe an Gustav; Ölrock und Südwester über Wams und Ottermütze, so ging er hinaus; stemmte die Tür auf, gegen die sich der Schnee gelegt hatte, und stand draußen im Schneetreiben. Die Luft war schwarz, die Schneeflocken waren grau wie Motten, groß wie Hühnerfedern; schwebten unaufhörlich, unaufhörlich nieder, legten sich leise auf einander, erst leicht, dann schwerer; packten sich zusammen und wuchsen an. Schon ein gut Stück ging der Schnee die Wand des Hauses hinauf und nur durch die obere Ecke der Fenster schimmerten die Lichter von innen.

Eine Neugier, die ihn schnell überkam, veranlaßte Gustav,

den oberen Schnee herunter zu stochern, damit er ein Guckloch erhielt; als er dann auf den Schneehaufen stieg, konnte er ins Zimmer sehen.

Carlsson saß wie gewöhnlich vor dem Sekretär; er hatte ein großes Papier vor sich liegen; das war oben mit einem großen blauen Stempel bedruckt, der wie die Zeichnung auf den Scheinen der Reichsbank aussah. Die Feder hoch erhoben, sprach er auf die Alte, die neben ihm stand, ein; er schien ihr die Feder geben zu wollen, damit sie etwas schreibe.

Gustav legte das Ohr an die Scheibe; da es aber Doppelfenster waren, hörte er nur ein Gemurmel. Außerordentlich gern hätte er jedoch gewußt, was da vor ging, denn er ahnte, daß es ihn sehr nahe berühre; auch hatte er gelernt, daß es sich um wichtige Angelegenheiten handelt, wenn man gestempeltes Papier benutzt.

Leise öffnete er die Tür, schob die Strohschuhe ab und kroch die Treppe hinauf, bis er auf den oberen Flur kam. Dort legte er sich auf den Bauch; und nun konnte er hören, was in der Stube bei der Mutter gesprochen wurde.

– Anna Eva, verkündete Carlsson mit einem Ton, der zwischen Reiseprediger und Gemeinderat lag; das Leben ist kurz, und der Tod kann über uns kommen, ehe wir es wissen. Wir müssen also darauf gefaßt sein, von hinnen zu gehen, ob es nun heute geschieht oder morgen; das ist ganz einerlei! Unterschreib also, je eher desto besser!