Und mit einem verklärten Lächeln, prophetisch, hoffnungsvoll, zuversichtlich, flüsterte er:
– »Und es soll eine Herde und ein Hirte sein.«
– Und ein Hirte! echote die Alte, die ihre Gedanken ganz wo anders hatte als Carlsson.
Darauf griff er die Postille an; machte zuerst ein saures Gesicht, als er die Anzahl der Seiten überschlug und sah, daß es ein »langes Ding« war; faßte dann aber Mut und begann. Die Behandlung des Stoffes paßte nicht ganz zu seinen Absichten, sondern hielt sich mehr an die christlich symbolische Seite; darum war sein Interesse nicht so lebhaft wie beim Text. In rasendem Laufe eilte er durch die
Spalten und steigerte die Geschwindigkeit, wenn er zum Umblättern kam, so, daß er mit dem angefeuchteten Daumen zwei Blätter auf ein Mal umschlug, ohne daß die Alte etwas merkte.
Als er aber sah, das Ende war nahe, fürchtete er, gegen das Amen zu prallen; deshalb verlangsamte er die Schnelligkeit. Aber es war zu spät: beim letzten Umblättern hatte er zu dick auf den Daumen gespuckt und drei Blätter auf ein Mal genommen; nun traf er aufs Amen ganz oben auf der nächsten Seite, als stieße er mit dem Kopf gegen eine Wand.
Die Alte wachte von dem Stoß auf und guckte schlaftrunken nach der Uhr.
Carlsson wiederholte daher das Amen noch ein Mal, indem er es etwas ausschmückte:
– »Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes und um unseres Erlösers willen.«
Um den Schluß abzurunden und zu sühnen, was er verbrochen, betete er ein Vaterunser, so langsam und ergreifend, daß die Alte, die mitten in die Sonne gekommen war, noch ein Mal einnickte.