Dieser ganze zerrissene Küstenstrich ruht zum allergrößten Teil auf der Urformation: Gneis, Granit und Eisenerzen; von den letzten hat man nur die von Utö reich genug gefunden, um sie zu bearbeiten. Die Granitvarietät Pegmatit tritt zuweilen in so großen Mengen aus, daß sie des Feldspats wegen gewonnen wird, den die Porzellanfabriken benutzen.

Die Abwesenheit der jüngeren Formationen, mit ihren horizontalen Lagerungen in hellen, leichten Farbentönen, verleiht der Schärenlandschaft diesen Zug von Wildheit und Düsterkeit, der die Urformation begleitet. Die Landschaftskontur wird durch die losgerissenen, rohen, unregelmäßigen

Blöcke kamm- und wogenförmig auf den Höhen; flach, höckerig, holperig, wo das Meer seine Schleifarbeit ausgeführt hat. Die partielle Schieferhaltigkeit des Gneises setzt auch die Strandklippen so der Sprengarbeit des Eises aus, daß Grotten, Höhlungen und tiefe Spalten das Wilde des Landschaftscharakters steigern; der wird dadurch niemals einförmig wie die Kalk- oder Sandsteinfalaises der französischen Nordküste.

Diese Wildheit wird jedoch jäh unterbrochen durch die reiche Erde von der Quartärperiode mit Moränenschutt und Glaciallehm, Schneckensand, Mooshumus und Tangverwandlungen; deren Fruchtbarkeit wird oft durch Abfall von den Großfischzügen der Jahrtausende, die reichen Schlamm auf den Versandungen bilden, und draußen auf den Kobben durch den Guano der Seevögel vermehrt. Auf dieser Erdschicht wachsen Kiefer und Fichte, obwohl die Gotik der Fichte der Natur den inneren Schären ihren mehr hervortretenden Charakter verleiht, während die Kiefer abgehärteter ist und ganz weit hinaus bis an den Meeresrand geht, sich auf den letzten Klippen nach dem am meisten herrschenden Wind drehend.

In den Niederungen wird der Wiesenboden besonders prachtvoll durch Anschlämmungen und Salzwasser, und die natürliche Wiese bietet eine reiche Blumenflora mit allen wilden Prachtpflanzen des mittleren Schwedens, von denen vielleicht die Orchideen und die Mehlprimel die vornehmsten sind. An den Ufern leuchten Lythrum und Lysimachia, in den Wäldern wächst die Blaubeere, auf den offenen Felsenplatten die Preiselbeere, und in den Mooren ist die Multbeere nicht selten. Tiefliegende Inseln mit besserem Boden nehmen durch den Reichtum an Laubbäumen und Büschen einen besonders lächelnden Charakter an. Die Eiche belebt

hier mit ihren weichen Linien und ihrem sehr hellen Laub die Nadelholzlandschaft. Und der Hag, diese Eigentümlichkeit des Nordens, eine Kreuzung von Wald, Unterholz und Wiese, ist vielleicht das Lieblichste, das man sehen kann, wenn unter einer Mischung von Birke und Nadelbaum die Haselbüsche eine Laube über dem Fahrweg bilden; er trägt hier den Namen »Drog«. Es sind Stücke eines englischen Parks, durch die man spaziert, bis man auf die Strandklippe mit ihren Fichten und Kiefern stößt, auf Torfmoos und die Sandniederlage der Meeresbucht mit ihrem Tanggürtel. Schiebt sich eine Bucht weiter ins Land hinein, ist sie immer von Erlen und reichen Schilfbänken schön eingefaßt.

Diese Abwechslung von Düsterm und Lächelndem, von Ärmlichem und Reichem, von Lieblichem und Wildem, vom Binnenland und Meeresküste macht Schwedens östliches Inselmeer so fesselnd. Dazu kommt, daß die meist steinigen Ufer das Wasser rein und durchsichtig halten; auch wo der Sand ins Meer hinausgeht, ist er so schwer und so rein, daß ein Badender sich nicht zu ekeln braucht, wie an der französischen Nordküste, wo ein Meerbad ein Schlammbad ist. Man entgeht hier den meisten Nachteilen des offenen Meeres und genießt die meisten Vorteile des Binnenlandes; ein Vorzug, den das östliche Inselmeer vor der zerklüfteten öden Westküste hat.

Die wilde Tierwelt weist keine Raubtiere beunruhigender Natur auf. Fuchs, Luchs, Hermelin sind die grimmigsten. Glänzende Jagdgelegenheiten bietet der Elch, der hierher geflüchtet ist und in den Sümpfen und Wäldern der größern Inseln sein Standquartier aufgeschlagen hat. Dachs, Hase, Otter, Seehund lassen auch ihr Fell, und die Hasenjagd auf der Bischofsinsel ist berühmt.

Von den Vögeln des Waldes sind Birkhuhn und Auerhuhn

sehr zahlreich, können aber von den Eingeborenen nicht gejagt werden; die haben keine Hunde der rechten Art und widmen sich ausschließlich dem Schießen von Seevögeln, am liebsten mit dem Balban; dabei wird die streichende Eider nicht geschont, die brütende dagegen sorgsam gepflegt, wenn auch das eine oder das andere Ei bei einer längeren Jagdtour Proviant liefern muß. Aus dem Holk nimmt man meist der Sägegans Eier fort, die sich geduldig als Leghenne benutzen läßt.