Die Schnitter sind am Abend vorher gekommen und haben auf Heuboden und Scheune geschlafen. Zwölf stattliche Männer aus den Schären, in weißen Hemdärmeln und Strohhüten, stehen in Gruppen vor der Stuga, mit Sensen und Wetzsteinen bewaffnet.

Da ist der Alte aus Owassa und der Alte aus Svinnockar, deren Rücken vom Rudern rund geworden sind; da ist der von Aspö mit seinem langen Heldenbart, einen Kopf höher als die Andern, mit tiefen, traurigen Blicken von der Einsamkeit draußen am offenen Meere, von Kummer ohne Namen und ohne Klage; das ist der Fjällonger, eckig und halb gedreht, wie eine Meerkiefer draußen auf der letzten Schäre; der von Fiversätra, mager, durchweht, lebhaft, trocken wie eine Kaffeehaut; die Quarnöer, Bootbauer von Ruf; die von Longskär, die ersten Seehundschützen; der Bauer von Arnö mit seinen Jungen.

Und um ihnen, zwischen ihnen bewegten sich die Mädchen, in Hemdärmeln, mit Brusttüchern über den Busen, in hellen

Kleidern aus Baumwolle, mit Tüchern auf dem Kopf. Die Harken, die in allen Farben des Regenbogens frisch bemalt waren, hatten sie selbst mitgebracht. Sie sahen aus, als gingen sie zu einem Fest, nicht zu einer Arbeit. Die Alten klopften sie mit den Fingerknöcheln auf die Taille und sagten ihnen vertrauliche Worte. Die Burschen aber verhielten sich so früh am Morgen beiseite; sie warteten den Abend mit Dämmerung, Tanz und Musik ab, um ihre Liebesspiele zu spielen.

Die Sonne war seit einer Viertelstunde aufgegangen, aber noch nicht so weit über die Wipfel der Kiefernhöhe gekommen, um den Tau aus dem Gras zu lecken. Die Bucht lag spiegelblank da, von dem jetzt blaßgrünen Schilf eingefaßt; das Piepen der eben ausgebrüteten jungen Enten war zwischen dem Schnattern der alten zu hören; die Möwen fischten dort unten Ukeleis, segelnd, groß, flügelbreit, schneeweiß wie die Gipsengel der Kirche; in der Kellereiche waren die Elstern erwacht und schwatzten und kicherten von den vielen Hemdärmeln, die sie unten auf dem Haushügel gesehen; der Kuckuck rief im Hag, brünstig, rasend, als sei die Zeit des Begehrens zu Ende, wenn er den ersten Heuschober erblickte; die Wiesenknarre arpte und schnarpte unten im Roggenfelde; aber auf dem Hügel sprang der Hund und begrüßte alte Bekannte.

Hemdärmel und Leinenpassen glänzten im Sonnenschein, streckten sich über den Kaffeetisch, auf dem Tassen und Schüsseln, Gläser und Kannen klirrten: die Bewirtung hatte begonnen.

Gustav, sonst schüchtern, machte den Wirt; sich unter den alten Freunden seines Vaters sicher fühlend, setzte er Carlsson in Schatten und handhabte selber die Branntweinflasche.

Carlsson aber, der auf seiner Einladungsfahrt Bekanntschaften geschlossen, benahm sich, als sei er zu Hause, wie

ein älterer Angehöriger oder Gast, und ließ sich den Hof machen. Da er vor Gustav zehn Jahre voraus hatte und ein männlicheres Aussehen besaß, stach er diesen aus; zumal Gustav für die Männer, die sich mit seinem Vater geduzt, kaum etwas anderes als »der Junge« werden konnte.

Der Kaffee war getrunken, die Sonne stieg, die Veteranen setzten sich in Bewegung, um nach der großen Wiese hinunter zu ziehen, die Sensen auf den Schultern; die Jungen und die Mädchen folgten.