Der Tag vor der Hochzeit war da. Zeitig am Morgen packte Gustav seine Tasche, nahm die Flinte und ging. Die Mutter erwachte und fragte, wohin er wolle. Gustav antwortete, er wolle hinausfahren, um nachzusehen, ob der Badefisch schon gekommen. Damit drückte er sich.
Sein Boot hatte er mit Mundvorrat für mehrere Tage versehen; auch nahm er eine Bettdecke, einen Kaffeekessel und andere Sachen mit, die für einen Aufenthalt auf den Schären nötig waren.
Unten am Strand setzte er sofort Segel. Statt aber in die Buchten einzubiegen, um nachzusehen, ob der Kühlung auf die warmen sandigen seichten Ufer zum »baden« hinauf gezogen sei, hielt er geradewegs zwischen die Kobben hindurch.
Der Morgen war jetzt Ende Juli blendend klar, der Himmel blauweiß wie abgerahmte Milch; Inseln, Holme, Schären, Kobben, Riffe lagen so weich und schmelzend im Wasser, daß man nicht sagen konnte, ob sie der Erde oder dem Himmel angehörten. Ins Land hinein standen Fichten und Erlen, und auf den Landzungen lagen Sägergänse, Trauerenten, Taucher, Möwen. Nach dem offenen Meer zu waren nur Meerkiefern zu sehen, und Teiste, Alke, schwarze, papageiähnliche, schwärmten frech um das Boot, um den Jäger von den in den Bergschluchten versteckten Nestern abzuleiten.
Schließlich wurden die Schären niedriger, nackter; und
hier draußen war nur eine vereinzelte Kiefer übrig gelassen, um den Nistkasten zu tragen, in dem man Eider und Sägergänse ihre Eier legen ließ; oder eine Eberesche, über deren Krone eine Wolke von Mücken sich im Winde schaukelte. Dahinter lag das offene Meer. Dort hielt die Raubmöwe ihre Jagd, in Fehde mit Seeschwalben, Möwen und Blaumänteln. Dorthin lenkte der Meeradler seinen schweren Flug, um vielleicht eine liegende Eiderente zu packen.
Dorthin, nach der letzten Schäre, steuerte jetzt Gustav, an der Ruderpinne liegend, die Pfeife im Munde. Von einer lauen südlichen Brise ließ er sich schleppen; gegen neun ging er auf der Schäre Norsten an Land.
Es war eine felsige Insel, einige Morgen groß, mit einer Talmulde in der Mitte. Einige kahlköpfige Ebereschen standen zwischen den Steinen; auch wuchs der prachtvolle Spindelbaum mit seinen feuerroten Beeren in den Klüften; und die Talmulde war mit einer dichten Matte aus Heidekraut, Krähenbeere, Multebeere bedeckt; die letzten hatten angefangen, gelb zu werden. Vereinzelte Wachholderbüsche lagen wie platt getreten an den Felsen und schienen sich mit den Nägeln festzuhalten, um nicht fortgeweht zu werden.
Hier war Gustav zu Hause; kannte jeden Stein; wußte, welchen Wachholderbusch er heben mußte, um die brütende Eider zu finden, die sich den Rücken streicheln ließ und ihn ins Hosenbein biß. Er steckte seine Gabelstange in einen Bergspalt und zog die Alke heraus, um ihnen den Hals umzudrehen, da er sie zum Frühstück haben wollte.
Hier draußen fischten die Hemsöer ihre Strömlinge. Hier hatten sie zusammen mit einer andern Fischergesellschaft einen Schuppen gebaut, in dem sie Nachtherberge zu nehmen pflegten. Dorthin lenkte auch Gustav seine Schritte, nahm den Schlüssel von seinem gewöhnlichen Ort unterm Dachbart und