Julie. Was? Daß ich in einen Bedienten verliebt wäre?

Jean. Ich bin kein eingebildeter Mensch, aber man hat Beispiele gesehen — und den Leuten ist nichts heilig.

Julie. Er ist, glaube ich, Aristokrat!

Jean. Ja, das bin ich.

Julie. Und ich steige herab —

Jean. Steigen Sie nicht herab, Fräulein, hören Sie meinen Rat! Niemand glaubt, daß Sie gutwillig herabsteigen; die Leute werden immer sagen, Sie sind gefallen!

Julie. Ich habe eine bessere Meinung von den Leuten, als Sie! Kommen Sie und versuchen Sie! — Kommen Sie! Sie fordert ihn mit den Augen auf.

Jean. Wissen Sie, Sie sind sonderbar!

Julie. Vielleicht! Aber das sind Sie auch! Alles ist übrigens sonderbar! Das Leben, die Menschen, alles ist eine Eisscholle, die auf dem Wasser dahingetrieben wird, bis sie sinkt, sinkt. Ich habe einen Traum, der hie und da wiederkommt und an den ich jetzt denken muß. Ich sitze auf einer hohen Säule und sehe keine Möglichkeit herunterzukommen; mir schwindelt, wenn ich hinuntersehe, und doch muß ich hinunter, aber ich habe nicht den Mut mich hinabzustürzen; ich kann mich nicht festhalten und ich sehne mich darnach zu fallen; aber ich falle nicht. Und doch habe ich keine Ruhe, bevor ich unten bin, keinen Frieden, bevor ich auf der Erde angelangt bin. Und komme ich auf die Erde hinunter, so will ich hinunter in die Erde. Haben Sie jemals so etwas empfunden.

Jean. Nein! Ich pflege zu träumen, ich läge unter einem hohen Baum in einem düstern Walde. Ich will hinauf, hinauf zum Wipfel, und mich in der lichten Landschaft umsehen, wo die Sonne scheint, und das Vogelnest dort oben plündern, in dem die Goldeier liegen. Und ich klettere und klettere, aber der Stamm ist so dick und so glatt, und es ist so weit bis zum ersten Zweig. Aber ich weiß, wenn ich nur den ersten Zweig erreichte, könnte ich zum Wipfel, wie auf einer Leiter, emporsteigen. Noch habe ich ihn nicht erreicht, aber ich muß ihn erreichen, und wäre es auch nur im Traum!