Christine. Nein, nicht auf sie! Wenn es Klara oder Sophie gewesen wäre, ja! Das arme Mädchen! Nein, weißt du was, ich will hier nicht länger im Hause bleiben, wenn man vor seiner Herrschaft keinen Respekt mehr haben kann.
Jean. Warum soll man vor ihnen Respekt haben?
Christine. Ja, und das fragst du, der du so schlau bist? Aber willst du denn Leuten dienen, die sich so unanständig aufführen? Was? Man schändet sich selbst dabei, scheint mir.
Jean. Ja, aber es ist doch ein Trost für uns, daß die andern nicht besser sind, als wir.
Christine. Nein, das finde ich nicht, denn wenn sie nicht besser sind, so hat es ja keinen Wert darnach zu streben, wie die besseren Leute zu werden. Und denke an den Grafen! Denke an ihn, der sein Leben lang soviel Kummer gehabt hat! Nein, ich will nicht länger in diesem Hause bleiben! Und mit so einem, wie du! Wenn es noch der Kronvogt gewesen wäre; wenn es ein besserer Mensch gewesen wäre.
Jean. Was soll das heißen?
Christine. Ja, ja! Du bist ja auch ein ganz braver Kerl; aber es ist doch immerhin ein Unterschied zwischen Leuten und Leuten. — Nein, das kann ich niemals vergessen — das Fräulein, das so stolz war, so schroff gegen Männer, so daß man sich gar nicht denken konnte, sie würde sich je einem Manne hingeben — und dann so einem! Sie, die gleich die arme Diana totschießen lassen wollte, weil sie dem Hofhunde nachlief! Na, das muß ich sagen! Aber hier will ich nicht länger bleiben, und zum vierundzwanzigsten Oktober geh ich meines Wegs.
Jean. Und dann?
Christine. Ja, da wir gerade davon reden, es wäre an der Zeit, daß du dich nach etwas anderem umsiehst, da wir uns doch verheiraten wollen.
Jean. Ja, wonach sollte ich mich umsehen? Eine so gute Stelle kann ich nicht bekommen, wenn ich verheiratet bin.