Christine. Ich will nichts wissen!

Julie. Du mußt mich hören!

Christine. Was denn? Von den Dummheiten mit Jean! Ja, sehen Sie, darum kümmere ich mich absolut nicht, denn da mische ich mich nicht hinein. Aber denken Sie ihn zum Durchbrennen zu verlocken, dann werden wir Ihnen schon den Weg versperren!

Julie äußerst erregt. Versuche ruhig zu sein, Christine! und höre mich an! Ich kann nicht hier bleiben, und Jean kann nicht hier bleiben — wir müssen also reisen!

Christine. Hm, hm! —

Julie mit plötzlichem Einfall. Aber siehst du, nun bekomme ich eine Idee — wenn wir alle drei reisten — ins Ausland — nach der Schweiz und zusammen ein Hotel errichteten. Ich habe Geld, sie zeigt es siehst du — und Jean und ich werden dem Ganzen vorstehen — und du, hatte ich mir gedacht, übernimmst die Küche. Ist das nicht nett! Sage nun ja und komm mit uns, dann ist alles arrangiert. Sage doch ja! Sie umarmt Christine und klopft sie zärtlich.

Christine kalt und nachdenklich. Hm! Hm!

Julie schneller. Du bist niemals draußen gewesen und gereist, Christine — du sollst hinaus und dich in der Welt umsehen. Du kannst gar nicht glauben, wie unterhaltend es ist, auf der Eisenbahn zu fahren — unaufhörlich neue Menschen — neue Länder — und dann kommen wir nach Hamburg und besehen uns auf der Durchfahrt den zoologischen Garten — was hältst du davon? Und dann gehen wir ins Theater und hören die Oper — und wenn wir nach München kommen, da haben wir die Museen, und da sind Rubens und Raphaels — Bilder von den beiden großen Malern, weißt du. Du hast ja von München, wo der König Ludwig wohnte, reden gehört — der König, weißt du, welcher wahnsinnig wurde — und dann werden wir seine Schlösser besehen — er hat Schlösser, die ganz wie in den Märchen eingerichtet sind — und von da ist es nicht mehr weit bis zur Schweiz — mit den Alpen, du — denke die Alpen mit Schnee darauf mitten im Sommer — und dort wachsen Apfelsinen und Lorbeerbäume, die das ganze Jahr grün sind —

Jean erscheint von rechts, sein Rasiermesser auf einem Riemen streichend, den er mit den Zähnen und der linken Hand festhält; er lauscht vergnügt dem Gespräch und nickt hie und da Beifall.

Julie äußerst schnell. Und dann übernehmen wir ein Hotel — und ich sitze an der Kasse, während Jean steht und die Gäste empfängt — ausgeht und handelt — Briefe schreibt — Das wird ein Leben, kannst du mir glauben — dann pfeift der Zug, dann kommt der Omnibus, dann klingelt es im Hause, dann klingelt es in der Restauration — und dann schreibe ich die Rechnungen aus — und ich werde sie pfeffern. — Du kannst dir gar nicht denken, wie schüchtern die Reisenden sind, wenn sie ihre Rechnung bezahlen sollen! Und du — du sitzest als Herrin in der Küche. Du sollst natürlich nicht selbst am Herd stehen — und du darfst fein und hübsch gekleidet gehen, wenn du dich vor Leuten zeigen sollst — und du mit deinem Aussehen — ja, ich schmeichle dir nicht — du kannst dir schon eines schönen Tags einen Mann ergattern! einen reichen Engländer, siehst du — die Leute sind so leicht sie fängt an langsamer zu sprechen zu fangen — — und dann werden wir reich — und bauen uns eine Villa am Comersee — freilich regnet es dort bisweilen — aber mit immer schlafferem Ton die Sonne wird wohl auch manchmal scheinen — wenn es auch trüb aussieht — und — dann — dann können wir ja auch wieder heimreisen — und zurückkommen Pause — hierher — oder irgendwo anders hin — —