Jean. Ja, was hilft es, daß Sie fluchen! Gehen wir!
Julie nähert sich dem Hackblock, gleichsam gegen ihren Willen hingezogen. Nein, ich will noch nicht gehen; ich kann nicht — ich muß sehen — still! draußen fährt ein Wagen. Sie lauscht, während sie die Augen starr auf den Hackblock und das Messer geheftet hält. Glaubst du, ich kann kein Blut sehen? Glaubst du, ich bin so schwach — o — ich möchte dein Blut sehen und dein Hirn auf dem Holzblock. Ich möchte dein ganzes Geschlecht in einem See, wie der da, schwimmen sehen. Ich glaube, ich könnte aus deiner Hirnschale trinken, ich könnte meine Füße in deinem Brustkorb baden und dein Herz gebraten essen! Du glaubst, ich bin schwach; du glaubst, ich liebe dich; du glaubst, ich will deine Brut unter meinem Herzen tragen und mit meinem Blute nähren — dein Kind gebären und deinen Namen annehmen! Höre du, wie heißest du? Ich habe niemals deinen Zunamen gehört — du hast wohl gar keinen, glaube ich. Ich wollte Frau »Hofwächter«, oder »Madame Kehrichtfeger« werden — du Hund, der mein Halsband, du Knecht, der mein Wappen auf den Knöpfen trägt — ich sollte mit meiner Köchin teilen, mit meiner Dienstmagd rivalisieren. O! o! o! Du glaubst, ich sei feig und wollte flüchten! Nein, nun bleibe ich — und dann möge das Unwetter heraufziehen! Mein Vater kommt heim — er findet seinen Sekretär erbrochen, sein Geld gestohlen! Dann klingelt er — mit der Glocke — zweimal nach dem Bedienten — und dann schickt er nach dem Schulzen — und dann werde ich alles erzählen. Alles! O es ist schön, ein Ende damit zu machen — wenn es nur ein Ende nehmen wollte! — Und dann bekommt er den Schlagfluß und stirbt. — — Und dann hat die ganze Geschichte ein Ende — und es tritt Frieden und Ruhe ein! — Ewige Ruhe! — — Und dann wird das Wappen über dem Sarge zerbrochen — das Grafengeschlecht ist ausgestorben — und der Dienersprößling wächst in einem Waisenhaus heran — gewinnt seine Lorbeeren im Rinnstein und endet in einem Gefängnis!
Christine zum Kirchgang gekleidet, das Gesangbuch in der Hand, kommt von rechts.
Julie eilt auf sie zu und fällt ihr in die Arme, als wollte sie Schutz bei ihr suchen. Hilf mir Christine! Hilf mir gegen diesen Mann!
Christine unbeweglich und kalt. Was ist denn das nun für Spektakel am Feiertagsmorgen. Sie sieht nach dem Hackblock. Und was für Schmutzerei Sie hier gemacht haben! — Was soll das alles bedeuten? Und wie Sie schreien und skandalieren!
Julie. Christine! Du bist ein Weib und meine Freundin! Hüte dich vor diesem Schuft!
Jean ein wenig scheu und verlegen. Wenn die Damen räsonnieren, gehe ich hinaus und rasiere mich. Er schleicht sich nach rechts hinweg.
Julie. Du wirst mich verstehen; und du sollst mich anhören!
Christine. Nein, ich verstehe mich wirklich nicht auf solche Wippchen! Wo wollen Sie denn in Ihrem Reiseanzug hin? — Und er hat auch den Hut auf? — Was? Was?
Julie. Höre mich an, Christine; höre mich an, dann werde ich dir alles erzählen.