Julie mit dem Messer in der Hand. Ich will es, aber ich kann es nicht! Mein Vater konnte es auch nicht, damals, als er es hätte thun sollen.

Jean. Nein, er hätte es nicht thun sollen! Er mußte sich erst rächen!

Julie. Und nun rächt sich meine Mutter wieder durch mich!

Jean. Haben Sie Ihren Vater nicht geliebt, Fräulein Julie?

Julie. Ja, grenzenlos, aber ich habe ihn sicher auch gehaßt! Ich muß es gethan haben, ohne es selbst zu bemerken. Aber er hat mich selbst zur Verachtung meines eigenen Geschlechtes herangezogen, zum Halbweib und Halbmann. Wer hat die Schuld an dem, was geschehen ist? Mein Vater, meine Mutter, ich selbst! Ich selbst? Ich habe ja kein Selbst! Ich habe nicht einen Gedanken, den ich nicht von meinem Vater, nicht eine Leidenschaft, die ich nicht von meiner Mutter bekommen hätte, und das Letzte — daß alle Menschen gleich seien — bekam ich von meinem Verlobten, den ich darum einen Schuft nenne! Wie kann es aber mein eignes Vergehen sein? Die Schuld auf Jesus schieben, wie es Christine macht — nein, dazu bin ich zu stolz und zu klug — dank den Lehren meines Vaters. Und daß ein Reicher nicht ins Himmelreich kommen könne, das ist Lüge, und Christine, die Geld auf der Sparkasse hat, kommt zum Mindesten nicht hinein! Wer hat die Schuld an dem Vergehen? Was geht es uns an, wer sie hat! Bin ich es doch, der die Schuld und die Folgen tragen muß.

Jean. Ja aber —

Es klingelt laut zweimal hintereinander.

Julie fährt auf.

Jean wechselt rasch links den Rock. Der Graf ist zu Hause! Denken Sie, wenn Christine — Er geht nach hinten ans Sprachrohr, klopft an und lauscht.

Julie. Nun ist er schon am Sekretär gewesen?