– Ebenso wie ich dein Mann bin, den keine andere Frau ansehen darf, wenn sie ihre Augen im Kopf behalten will; und den du geschenkt erhalten hast, nein, zum Ersatz dafür, dass er dich bekam! Ist das nicht partie égale!
– Aber wir haben unser Leben im Spiel verbracht! Haben wir etwa höhere Interessen gehabt, Wilhelm?
– Ja, wir haben die höchsten Interessen gehabt, Gurli; wir haben nicht immer gespielt, denn wir haben auch ernste Stunden durchgemacht! Wir haben die höchsten Interessen gehabt, die man haben kann; denn wir haben dem künftigen Geschlecht Leben gegeben; wir haben tapfer gestrebt und gearbeitet, du nicht am wenigsten, für die Kleinen, die gross werden sollen. Bist du nicht ihretwegen vier Male dem Tod nahe gewesen? Hast du nicht den Schlaf der Nacht verachtet, um sie zu wiegen; die Vergnügungen des Tages, um sie zu pflegen? Könnten wir nicht eine Wohnung von sechs Zimmern in der Hauptstrasse und einen Diener haben, wenn wir nicht die Kinder besässen? Könntest du nicht Seide und Perlen tragen, Gulla? Und ich alter Pall brauchte nicht Elsternnester in den Knien zu haben, wenn wir die Kinder nicht auf die Welt gesetzt hätten! Sind wir solche Puppen? Sind wir denn so selbstsüchtig, wie alte Jungfern behaupten? Die oft Männer verschmäht haben, weil sie nicht für sie passten! Warum bleiben so viele Mädchen unverheiratet? Sie wissen doch alle damit zu prahlen, dass sie Angebote gehabt haben, wollen aber doch gern Märtyrer sein! Höhere Interessen! Latein lernen! Sich für einen wohltätigen Zweck halbnackt kleiden und die Kinder in nassen Windeln liegen lassen! Ich glaube, ich habe höhere Interessen als Ottilie, wenn ich starke und frohe Kinder haben will, die einmal im Leben das ausrichten sollen, was wir nicht gekonnt haben! Aber mit Latein geht es nicht! Leb’ wohl, Gurli! Ich muss auf Wache! Kommst du mit?
Sie blieb sitzen und antwortete nicht. Er ging; mit schweren Schritten, so schweren. Und das blaue Meer wurde dunkel, und die Sonne schien nicht mehr.
– Pall, Pall, wohin soll dies führen, seufzte er, als er über den Zauntritt am Kirchhof stieg; ich wünschte, ich läge dort unter einem Holzkreuz, dort zwischen den Baumwurzeln; aber ich hätte sicher keine Ruhe, wenn ich dort allein läge! Gurli! Gurli!
– Jetzt gehts ganz verkehrt, Schwiegermutter, sagte der Kapitän eines Tages im Herbst, als er die Alte besuchte.
– Was ist denn los, lieber Willy?
– Sie waren gestern bei uns zu Hause. Vorgestern waren sie bei der Prinzessin. Und da wurde die kleine Alice elend. Das war natürlich Pech, und ich wagte nicht Gurli holen zu lassen, denn dann hätte sie geglaubt, es sei beabsichtigt. Oh! Wenn das Vertrauen einmal erschüttert ist, so ... Ich war in diesen Tagen beim Korpsintendant und fragte, ob man nach schwedischem Gesetz das Recht habe, die Freundinnen seiner Frau tot zu rauchen. Nein, das habe man nicht. Und hätte man das Recht, so wagte man es nicht, denn dann sei es ganz aus. Wenn es nur ein Liebhaber wäre: den könnte man beim Kragen nehmen und hinauswerfen. Was soll ich tun?
– Ja ja, das ist ein schwerer Fall, lieber Willy, aber wir werden schon auf etwas kommen. Du kannst doch nicht wie ein Unverheirateter leben!
– Nein, das sage ich auch!