– Setz dich und sing, sagte er und schlug das Instrument auf.

– Was soll ich singen? Du weisst doch, dass ich lange nicht gesungen habe.

Ja, das wisse er, jetzt aber wolle er ein Lied haben.

Sie setzte sich ans Piano und präludierte. Es war ein kreischendes Wirtshausklavier, das wie lose Zähne klang.

– Was soll ich singen? fragte sie und drehte sich auf dem Stuhl um.

– Das weisst du, Lilly, antwortete er, ohne dass er es wagte, ihrem Blick zu begegnen.

– Dein Lied! Ja! Wenn ichs noch kann!

Und sie sang: „Wie mag das Land wohl heissen, in dem mein Liebster wohnt?“

Aber ach, die Stimme war dünn und scharf, und vor Rührung wurde sie unrein. Es war zuweilen wie ein Schrei aus der Tiefe der Seele, die fühlt, dass der Mittag vorbei ist und der Abend sich nähert. Die Finger, die schwere Arbeit getan, konnten die rechten Töne nicht finden; auch war das Instrument ausgespielt; das Tuch auf den Hämmern abgenutzt, und das blosse Holz klopfte gegen die Metallsaiten.

Als das Lied zu Ende war, wagte sie sich zuerst nicht umzudrehen, als erwarte sie, dass er zu ihr komme und etwas sage. Aber er kam nicht, und es war still im Zimmer. Als sie sich schliesslich auf ihrem Stuhl umwandte, sass er im Sofa und weinte. Sie wollte aufspringen, seinen Kopf in ihre Hände nehmen und ihn küssen wie früher, aber sie blieb sitzen, unbeweglich, die Blicke auf den Boden gerichtet.