Er hatte im grossen Speisesaal den Tisch decken lassen, an dem sie damals zu sitzen pflegten. Ohne ein Tischgebet zu sprechen, setzten sie sich.
So sassen sie wieder da unter vier Augen. Er nahm den Brotkorb und bot ihr an. Sie lächelte. Es war lange her, dass er so höflich gegen sie gewesen. Aber es war etwas Neues und Angenehmes, in einem Gasthaus am Meer zu essen, und bald waren sie in einem lebhaften Gespräch begriffen; es war ein Duett, in dem der eine in das Damals fiel und der andere eine Erinnerung aussprach; sie lebten in den Erinnerungen. Die Blicke leuchteten und die kleinen Runzeln der Gesichter glätteten sich. O die goldene, rosenrote Zeit, die man nur einmal erlebt, wenn man sie erlebt, und die so viele, viele niemals erleben.
Beim Nachtisch flüsterte er der Kellnerin etwas zu; gleich darauf kam sie mit einer Flasche Champagner zurück.
– Lieber Axel, was denkst du? sagte sie halb vorwurfsvoll.
– An den Frühling, der vergangen ist, aber wiederkehren wird.
Aber er dachte nicht ausschliesslich daran, denn beim Vorwurf seiner Frau tauchte, wie wenn eine Katze durchs Zimmer schleicht, ein dunkles Bild von der Kinderstube und der Mehlbreischüssel auf.
Dann aber wurde es wieder klar und der rosenrote Wein rührte wieder an die Saiten der Erinnerung, und sie warfen sich wieder in den zauberischen Rausch der Vergangenheit.
Er stützte jetzt den Ellbogen auf den Tisch und hielt die Hand vor die Augen, als wolle er sich von der Gegenwart nicht stören lassen, dieser Gegenwart, die er doch gerade gesucht hatte.
Die Stunden verrannen. Sie standen auf und gingen in den Salon, wo das Klavier stand, um Kaffee zu trinken.
– Ich möchte wissen, wie es den Kindern geht, sagte sie, die jetzt erst aus dem Rausch erwachte.