Es war trostlos, nicht weil Wassergrütze das Schlimmste ist, sondern weil der alte prächtige Humor verschwunden war; dieser Zauberer, der den dunkeln Roggen in goldenen Weizen zu verwandeln weiss; die allmächtige Liebe, die ihr Füllhorn ausschüttet, war nicht mehr da. Die Kinder waren Lasten geworden, und die geliebte Frau ein versteckter Feind, der heimlich verachtete und verachtet wurde.

Und die Quelle zu all diesem Unglück? Der Mangel an Brot! Und doch stürzen jetzt die grossen Handelshäuser der neuen Welt unter der Last des allzu reichlichen Vorrats von Getreide zusammen! Eine Welt der Widersprüche! Die Art und Weise, nach der das Brot verteilt ist, muss also mangelhaft sein.

Die Wissenschaft, welche die Stelle der Religion eingenommen hat, vermag keine Antwort darauf zu geben; sie stellt nur die Tatsache fest und lässt die Kinder vor Hunger sterben und die Eltern vor Durst.

Zwangsehe

Sein Vater starb ihm früh, und seitdem war er in den Händen einer Mutter, zweier Schwestern und einiger Tanten. Einen Bruder hatte er nicht. Sie lebten auf einem Besitztum in der schwedischen Provinz Södermanland und hatten keine Nachbarn, mit denen sie verkehren „konnten.“ Im Alter von sieben Jahren erhielt er, zusammen mit den Schwestern, eine Gouvernante, und gleichzeitig wurde eine Cousine ins Haus aufgenommen.

Er schlief im selben Zimmer wie die Schwestern, spielte deren Spiele, badete mit ihnen, und niemand dachte daran, dass er von anderem Geschlecht sei als die Mädchen. Die älteren Schwestern nahmen ihn auch bald in die Hand und wurden seine Schulmeister und Tyrannen.

Er war ein recht kräftiger Junge, aber der Zärtlichkeit so vieler überlassen, wurde er allmählich verzärtelt und hilflos.

Einmal machte er einen Versuch, mit den Jungen der Instleute zu spielen. Sie gingen in den Wald, kletterten auf die Bäume, plünderten die Vogelnester, warfen Steine nach Eichhörnchen. Frithiof war glücklich, als sei er aus einem Gefängnis entlassen, und kam nicht zum Mittagessen zurück. Die Jungen pflückten Blaubeeren und badeten im See. Es war der erste Tag seines Lebens, an dem er lustig gewesen.

Als er gegen Abend zurückkam, war grosse Aufregung im Hause. Die Mutter war unruhig und betrübt, zeigte aber ohne Verstellung ihre Freude, ihn wieder zu Hause zu haben; doch die unverheiratete Tante Agathe, die ältere Schwester der Mutter, die Herrin im Hause war, wütete. Es sei ein Verbrechen, wenn man ihn nicht züchtige. Frithiof begriff nicht, worin das Verbrechen bestand, aber Tante sagte, Ungehorsam sei ein Verbrechen. Frithiof wendete ein, man habe ihm nie verboten, mit den Kindern der Instleute zu spielen. Das habe man allerdings nicht, denn das sei überhaupt nicht in Frage gekommen. Die Tante blieb bei ihrem Vorsatz und vor den Augen der Mutter nahm sie den Jungen auf ihr Zimmer, um ihn durchzuhauen. Er war acht Jahre alt und schon ziemlich gross.

Als die Tante sein Hosenbund anfasste, um ihm die Hosen abzuknöpfen, überlief ihn ein Fieberschauer; der Atem blieb ihm im Hals stecken und das Herz klopfte. Er schrie nicht, aber er starrte entsetzt die alte Frau an, die ihn beinahe liebkosend hat, gehorsam zu sein und keinen Widerstand zu leisten. Als sie aber seinen Körper entblösste, überfiel ihn ein Gefühl von Scham und Wut: er sprang vom Sofa auf und schlug um sich. Etwas Unreines, etwas Dunkles, Widriges schien von dieser Frau auszugehen, und die Scham seines Geschlechts erhob sich wie gegen einen Feind.