Aber die Tante wurde wütend, warf sich über ihn, legte ihn über einen Stuhl, riss sein Hemd auf und schlug ihn. Zuerst schrie er aus Wut, denn den Schmerz fühlte er nicht, strampelte konvulsivisch mit den Füssen, um loszukommen; dann wurde er plötzlich still und schwieg.
Als die Alte aufhörte, blieb er liegen.
– Steh auf, sagte sie mit gebrochener Stimme.
Er stand auf und sah sie an. Sie war blass auf der einen Backe und rot auf der andern. Die Augen leuchteten von einem dunkeln Feuer und sie zitterte am ganzen Körper. Der Junge sah sie an, als sei sie ein böses Tier, und lächelte überlegen, als fühle er sich in der Verachtung, die sie ihm einflösste, hoch über ihr. Dann schleuderte er ihr ein einziges trotziges verächtliches „Teufelin“ ins Gesicht, einen Ausdruck, den er eben von den Kindern der Instleute gelernt hatte. Dann nahm er seine Kleider und lief hinaus; hinunter zur Mutter, die weinend im Esssaal sass.
Er wollte sich bei ihr beklagen, sie wagte ihn aber nicht zu trösten. Da ging er in die Küche hinunter, wo die Mädchen ihm Rosinen zu essen gaben.
Von diesem Tag an durfte er nicht mehr im Zimmer der Schwestern schlafen, sondern wurde von der Mutter mit in ihre Schlafstube genommen. Er fand es dort dumpf und langweilig, und wenn die Mutter in ihrer Zärtlichkeit mehrere Male in der Nacht aufstand, um ihn zuzudecken, wurde er in seinem Schlaf gestört und antwortete zornig auf ihre Fragen, ob es ihm gut gehe.
Er durfte niemals ausgehen, ohne dass ihn jemand anzog, und er hatte so viele wollene Halstücher, dass er nicht wusste, welches er nehmen sollte. Schlich er sich hinaus, so wurde sofort durchs Fenster gerufen, er solle hinaufkommen und etwas überziehen.
Die Spiele der Schwestern fingen an ihn zu quälen. Federballwerfen genügte seinen starken Armen nicht mehr: die wollten Steine werfen. Bei dem kleinlichen Krocketspiel, das weder Muskelanstrengung noch Verstand verlangt, sich herumzuzanken, reizte seine Nerven.
Dann hatte er die Gouvernante auf dem Nacken. Sie sprach ihn französisch an, während er schwedisch antwortete. Ein dumpfer Hass gegen das ganze Dasein und seine Umgebung begann zu keimen.
Er sah auch bald eine Geringschätzung in der ungenierten Art, die man sich in seiner Gegenwart erlaubte, und alle wurden ihm schliesslich zuwider. Die Einzige, die auf seine Gefühle etwas Rücksicht nahm, war die Mutter; so hatte sie einen grossen Schirm um sein Bett stellen lassen.